Dürre in den Kassen : Wo die Bezirke noch Blumen pflanzen

Berlin spart an allen Ecken und Enden. Für Blumen auf Straßen und Plätzen gibt es kaum noch Geld. Hier ein Überblick über das, was die Stadträte trotzdem pflanzen lassen wollen – wenn überhaupt.

von
Krokus oder nicht Krokus. Das ist in vielen Berliner Bezirken in diesem Frühjahr die Frage.
Krokus oder nicht Krokus. Das ist in vielen Berliner Bezirken in diesem Frühjahr die Frage.Foto: dpa

Der Frühling naht, doch in manchen Bezirken werden auf den Straßen und Plätzen dennoch kaum oder keine Blumen blühen. Die desolate Finanzlage der Stadt lässt einen solchen Luxus kaum noch zu. So könnte es sein, dass selbst Angela Merkels Blick aus dem Kanzleramt nicht auf eine bunte Wiese, sondern bestenfalls auf grünen Rasen fällt.

„Wir haben so enorme Einsparungsvorgaben, dass wir prüfen, ob wir die Bepflanzung auf ein Minimum reduzieren oder vielleicht zum ersten Mal ganz darauf verzichten“, heißt es im Büro Carsten Spalleks (CDU), des Baustadtrats von Mitte. Davon könnten auch Flächen wie die vor dem Kanzleramt oder dem Reichstag nicht ausgenommen werden, weil die Bürger kaum Verständnis dafür hätten, wenn es dort blüht und andernorts nicht.

Weiter westlich droht ein ähnliches Bild: „Wir überlegen ernsthaft, die Bepflanzung der 100 Blumenschalen auf dem Kurfürstendamm aufzugeben“, sagt Stadtrat Marc Schulte (SPD) in Charlottenburg-Wilmersdorf. Endgültig müsse das Thema noch im Fachausschuss diskutiert werden. Eine Firma habe für ein Sponsoring der Pflanzen zusätzliche Werbeflächen im Gegenwert von 600 000 Euro gefordert, was nicht akzeptabel sei. Und für jede Schale einen individuellen Paten zu suchen, mache wegen des dann uneinheitlichen Bildes keinen Sinn.

In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es schon „seit Jahren“ keine Mittel mehr für Blumen auf den Straßen. Geld habe man nur noch „für die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes“, sagt eine Mitarbeiterin von Stadtrat Hans Panhoff (Bündnis ’90/Grüne).

Mittel stünden nur noch für die Verkehrssicherung zur Verfügung, meldet Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis ’90/Grüne) aus Pankow. Lediglich, wenn die Mitarbeiter des Grünflächenamtes selbst ein paar Frühblüher gezüchtet haben, könnte man diese auspflanzen. Wenigstens beim Mittelbeet im Bürgerpark will der Bezirk versuchen, ein paar Blumen zu organisieren.

Wegen des hohen personellen und finanziellen Aufwandes werde auf eine einjährige Frühjahrsbepflanzung verzichtet, lässt Rainer Hölmer (SPD), Baustadtrat in Treptow-Köpenick, mitteilen. Als Ausgleich seien verstärkt mehrjährige Frühjahrsblüher wie Krokusse und Narzissen in öffentlichen Grünanlagen und als „Straßenbegleitgrün“ ausgebracht worden. Außerdem pflanze man frühzeitig länger blühende Sommerblumen.

In Spandau reicht es gerade einmal noch für die bereits 2011 bestellte Frühjahrsbepflanzung je eines Beetes im Südpark sowie in der Altstadtfußgängerzone. „Für die anschließende Sommerbepflanzung ist dann kein Geld mehr da“, sagt Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). In den laufenden Haushaltsdebatten sind 1,3 Millionen Euro für die Grünflächenpflege vorgesehen, benötigt werden mindestens 1,6 Millionen. Die Mittel reichen nicht einmal, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen, in manchen Bereichen wie bei einigen Holzstegen in der Wasserstadt kann der Bezirk nur noch Absperrungen vornehmen.

Das eigene Grünflächenamtspersonal hat Neukölln bereits vor Jahren abgeschafft. Der Bezirk beschränkt sich auf den Einsatz von Fremdfirmen. „Seit vier Jahren gibt es nur noch vier Punkte, wo wir überhaupt eine jahreszeitliche Bepflanzung vornehmen“, sagt Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). „Dafür stehen uns 20 000 Euro zur Verfügung.“ Bepflanzt werden der Brunnenbereich auf dem Rathausvorplatz, der Garten am Schloss Britz, das Gartendenkmal Körnerpark und der Platz vor dem Standesamt an der Blaschkoallee. „Das sind wir den Brautpaaren schuldig“, sagt Blesing.

Die Bepflanzung von Straßen und Plätzen wird in der Hauptstadt zum Luxus.
Die Bepflanzung von Straßen und Plätzen wird in der Hauptstadt zum Luxus.Foto: dpa

Aufgrund langzeitiger Verträge ist der Blumenschmuck vorerst noch gesichert, sagt Daniel Krüger (CDU), Baustadtrat im Tempelhof-Schöneberg. Bereits im Herbst wurden rund 12 500 Blumenzwiebeln in die Mittelstreifen der Hauptstraßen gesetzt. Weitere 30 000 folgen jetzt bis Ostern im Volkspark Mariendorf, auf dem Platz der Luftbrücke und auf dem Viktoria-Luise-Platz.

„Trotz Sparzwang in den öffentlichen Kassen halten wir an der guten Tradition fest, ausgewählte öffentliche Grünflächen durch Bepflanzung von Blumen im Frühjahr und Sommer mit Leben zu erfüllen“, sagt Stadtentwicklungsdezernent Wilfried Nünthel (CDU) in Lichtenberg. „Die erhöht die Aufenthaltsqualität für unsere Bürgerinnen und Bürger.“ Bepflanzt werden der Fischerbrunnen an der Frankfurter Allee, der Stadtpark am Rathaus, der Rudolf-Seiffert-Grünzug, der Rheinsteinpark, die Schlossachse an der Alfred-Kowalke-Straße und der Zentralfriedhof Friedrichsfelde.

Auch in Reinickendorf setzt man traditionsgemäß auf bunte Straßen und Plätze. „70 000 Blumenzwiebeln, Tulpen, Narzissen und Krokusse sind bereits verbuddelt“, sagt Baustadtrat Martin Lambert (CDU). 20 000 Stiefmütterchen werden bis Mitte des Monats gepflanzt. „In den Genuss kommen alle Teile des Bezirks, an den bekannten Plätzen, Wegen, Dorfauen, Grünanlagen und Fahrbahnstreifen.“ Die Bestellungen im Gesamtwert von 8000 Euro habe man bereits im vergangenen Jahr vor dem Beginn der vorläufigen Haushaltswirtschaft getätigt.

„Wir haben unsere Sommerblumen bereits im Vorjahr in Auftrag gegeben, es wird keine Einschränkungen geben“, sagt auch Monika Osteresch, Leiterin des Grünflächenamtes von Steglitz-Zehlendorf. Schwerpunkte sind der Bereich vor dem Botanischen Garten, Mexiko- und Hohenzollernplatz, der Stadtpark Steglitz und die Friedhöfe.

„Für ein paar Blumen haben wir noch Geld“, so auch Christian Gräff (CDU), Stadtentwicklungsdezernent in Marzahn-Hellersdorf. Immerhin habe kein anderer Bezirk in Berlin mehr Grünflächen pro Einwohner. „Schöne Orte wollen wir erhalten.“ Dazu gehören der Hochzeitspark Marzahn und die Hönower Weiherkette.

Autor

6 Kommentare

Neuester Kommentar