Berlin : Dufte Freundinnen

Coralie vom Hofe und Inga Schmäling sind ein unzertrennliches Duo. Sie eint die Lust am Backen. Am Sonntag öffnet ihre Pop-up-Bakery zum fünften Mal – und in zwei Stunden ist wahrscheinlich alles weg.

von
French Connection. Backdüfte können süchtig machen, finden die Französin Coralie vom Hofe (rechts) und Freundin Inga Schmäling. Die Lust am Backen hat sie zusammengebracht. Nun verkaufen die Semi-Profis ihre kleinen Kreationen ein paar Mal im Jahr an interessanten Orten in Berlin. Foto: Mike Wolff
French Connection. Backdüfte können süchtig machen, finden die Französin Coralie vom Hofe (rechts) und Freundin Inga Schmäling....

Duft lässt bei beiden auf der Stelle Bilder im Kopf entstehen. Eine eben gerührte Lemoncurd, eine frische Maracuja als Zutat für eine Creme – und schon geht Inga Schmäling in Gedanken mit dem Finger durch den Topf. Oder: Vanille, Rum und Butter, ein Aromamix, der zart aus dem Ofen steigt – und schon spürt Coralie vom Hofe den warmen, weichen Widerstand beim Biss in eines jener wohlgeformten Canelés. Der Geruch von Gebäck verheißt Gemütlichkeit. Backen kann eine Freundschaft stiften. Genau so war es bei diesen beiden. Seit einem Jahrzehnt sind sie beste Freundinnen, vor einem Jahr haben sie aus der Leidenschaft eine Geschäftsidee gemacht: „Gourmandise Berlin“. Denn Gourmandise heißt Köstlichkeit.

Wenn Coralie vom Hofe sich den Tag vergegenwärtigt, an dem ihrer beider Freundschaft zu wachsen begann wie ein süßer Guglhupf im Ofen, erzählt sie vom Backen. Cantuccini haben sie gemacht. „Isch erinnere miisch“, sagt sie mit niedlich-französischem Akzent. Sie ist Pariserin, arbeitet für die Botschaft ihres Landes, und so ganz nebenher wuppt sie eine Ausbildung als Patissière. Ein Back-Profi ist sie schon jetzt, und Inga Schmäling, die im Beruf Führungskräfte schult, ist das Organisationstalent.

Fürs Backen brennen sie beide. Erst bekam nur der Freundeskreis ihre kleinen Kreationen. Dann las Inga von den drei Schwestern der „Guerilla Bakery“ in Wien: Backen nach Laune, Servieren immer an einem anderen interessanten Ort, ein paar Mal im Jahr. „Das machen wir auch“, teilte sie Coralie am Telefon mit. Nicht drei Petits Fours produzieren, sondern 300 für eine Hochzeit. Nicht 60 kleine Küchlein, sondern gleich 620 bis 800. Nun öffnen sie mit frisch produzierten Teilchen bis zu sechsmal im Jahr ihre Pop-up-Bakery. Wo, wird auf Facebook oder ihrer Website mitgeteilt. Das klappt prima. Letztes Mal, zum Sommerausklang im Strandbad Weißensee, standen die Leute ab Stand-Eröffnung um 15 Uhr Schlange mit der Tupperware unterm Arm, kauften zu Preisen zwischen 90 Cent und 3,80 Euro Cupcakes, Canelés, Madeleines, Tartes, Kuchen am Stiel, Macarons und verspeisten, was nicht mehr einzudosen war, gleich aus der Hand. Am Sonntag wird im „Cookies“ in Mitte zu Drinks und sanften Klängen Weihnachtliches serviert, Spekulatius-Macarons, Tarte au Chocolat, Florentiner Cupcakes.

Coralie verschwindet hinter dem Küchentresen und kehrt zurück mit einer Handvoll langer Glaskolben mit Schraubverschluss. Sie entnimmt eine schwarze Schote, hält sie an die Nase, schnüffelt genüsslich. „Tahiti-Vanille, die teuerste. Die duftet sehr würzig und stark.“ Die nächste Frucht, Bourbon-Vanille, riecht sanfter, schokoladiger. Das Aroma der mexikanischen liegt so dazwischen. Bourbon ist gut für Vanillecreme, sagt Coralie. Tahiti kommt bei ihr in die Crème brulée. Ein neues Döschen: Zimt. „Der aus Ceylon ist besonders scharf und stark.“ In den Spekulatius gibt sie Ingwerpulver, Sternanis, Nelken, Pfeffer, Vanille. Und immer – immer! – Butter. „Ohne Butter kann man keinen guten Kuchen backen“, sagt schlankweg Inga Schmäling. „Das verstößt gegen unser Patisserieherz.“ Rohmilchbutter, leicht gesalzen, 80 Prozent Fett, der entscheidende Kick für Karamell. Wann der fertig ist, erkennt man übrigens ebenfalls am Geruch: nicht zu bitter darf er sein, nicht zu mild.

Wenn Coralie vom Hofe ihren Abschluss als Patissière hat, wenn Inga Schmäling noch mehr Ideen gewälzt hat, könnten sich beide vorstellen, ihr eigenes Label am Markt zu platzieren: eine Art Backlabor, eine Backwerkstatt mit Kursen vielleicht. Inga hat da schon ein Bild vor Augen: eine Tür, einen Spalt weit geöffnet, und der hindurchströmende Backduft zieht die Leute magisch an.

Nächste Pop-up-Bakery am 8. Dezember, ab 15 Uhr (solange der Vorrat reicht), Cookies-Club, Friedrichstr. 158, Mitte. www.gourmandise-berlin.com

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben