Berlin : Dufte Nummern

Eine Ausstellung erinnert an Komponist Michael Jary

Christian Schröder

Stolz lehnt der Mann an der Kühlerhaube seines Cadillac. Seine Haare sind mit Pomade zurückgebürstet, er lächelt. Das Foto zeigt den Komponisten Michael Jary auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Mit Titeln wie „Das machen nur die Beine von Dolores“, „Heut’ liegt was in der Luft“ oder „Mäki-Boogie“ stieg er in den 50er Jahren zum Schlagerkönig des Wirtschaftswunders auf. „Mein Vater hat viel Geld verdient und sehr viel Geld ausgegeben“, sagt seine Tochter Micaela. Das Foto mit dem Cadillac gehört zu einer Ausstellung, die Jarys Nachlass im Museum für Film und Fernsehen präsentiert. Den Nachlass hat das Museum vor kurzem von der Familie erhalten.

Jary, 1906 als Max Michael Jarczyk in Oberschlesien geboren, kommt 1930 nach Berlin, um bei Hindemith und Schönberg an der Musikhochschule zu studieren. Sein Abschlusskonzert im Februar 1933 endet mit einem Eklat. Ein Professor springt auf und ruft – so heißt es in einem ausgestellten Aktenvermerk – „dass er gegen dieses undeutsche Gestammle protestiere“. Der Komponist taucht unter, legt sich ein Pseudonym zu und beginnt, Filmmusiken zu schreiben. 1934 lernt er den Texter Bruno Balz kennen, mit dem er ein Erfolgsduo bildet. Ihre Wohnungen in der Fasanenstraße 60 liegen direkt übereinander, wenn sie Einfälle haben, verständigen sie sich mit Klopfzeichen. Ihr Lied „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, gesungen von Zarah Leander, steigt zu einem der erfolgreichsten deutschen Schlager aller Zeiten auf.

„Gestern war im Ostfernsehen ,1 Mann mit Grundsätzen‘“, schreibt Balz 1971 an den „lieben Maxe“. „,Lass dein Herz bei mir zurück‘ und ,Hallo Fräulein‘ waren ganz dufte Nummern und wirken heute noch. Schade, dass wir vom Osten dafür kein Geld kriegen.“ Balz und Jary sterben 1988. Für Zarah Leander war Jary – so schreibt sie in den 50er Jahren auf ein Foto – ein „unvergleichlicher Meister“. Er machte aber auch Evelyn Künneke, Heidi Brühl, Bibi Johns zu Stars. Jarys Vermächtnis: 600 Songs.

Jarys Nachlass ist bis 14. Januar im Filmhaus am Potsdamer Platz zu sehen, Di.–So. 10–18, Do. 10–20 Uhr.

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