Berlin : Dumm gelaufen

Andreas Conrad

Schade eigentlich, dass Gerhard Seyfried nur noch selten zum Zeichenstift greift und sich, wenn er es denn tut, kaum noch um den Berliner Polizisten kümmert. „Pop – Stolizei“, „Der KOB ist dick und doof und geht durch unsern Hof“ oder „Wir haben eine vorläufige Erschießung gegen Sie“ – all diese dem frühen Hausbesetzer- und Spontileben entnommenen Szenen können wir uns nur noch in abgegriffenen Bänden in Erinnerung rufen. Ein Jammer, denn was böte nicht auch die Gegenwart einem Künstler mit spitzer Feder für Anregungen: Gratis ins Konzert, wer möchte das nicht – aber in Uniform sich einschmuggeln lassen: da muss man erst mal drauf kommen. Das hätte es nicht mal in der Filmreihe „Police Academy“ gegeben, und dort wurde einem doch einiges aus dem irrwitzigen – in diesem Fall amerikanischen – Polizeialltag geboten, komödiantisch zugespitzt, das immerhin. Aber auch die deutsche Kulturgeschichte bietet für Fälle wie den aktuellen eine sprachliche Schablone, in die sich die absurde Realität nahtlos einfügt, fast hat sie in diesem Fall sprichwörtlichen Charakter angenommen. Wie heißt es doch? Dümmer als die Polizei erlaubt.

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