Berlin : Durch den Ausbau zum Großflughafen sind 80 000 Anwohner potenziell gefährdet

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Der Südostbezirk ist vom geplanten Ausbau des Flughafens Schönefeld besonders betroffen: Mehr als 70 Prozent aller Landungen werden über sein Gebiet führen. Experten sprechen von rund 80 000 im Berliner und Brandenburger Einzugsgebiet des Flughafens, deren Gesundheit durch den Großflughafen besonders gefährdet ist.

Vor allem der zu erwartende Lärm wird zu körperlichen Beeinträchtigungen führen. "Die Leute fürchten sich vor dem geplanten Projekt und erwarten vom Bezirksamt Unterstützung", sagt Umweltstadtrat Ernst Welters (PDS). Doch um den Köpenickern Argumente zu liefern, mit denen sie sich am sogenannten Planfeststellungsverfahren des Großflughafenneubaus beteiligen können, muss sich "erst einmal die Verwaltung das fachliche Rüstzeug erarbeiten", so der Stadtrat. Nach seinen Worten ist das in den vergangenen Tagen geschehen. 35 Wissenschaftler aus dem gesamten Bundesgebiet diskutierten auf einem Symposium unter anderem Maßnahmen und Möglichkeiten des Lärmschutzes, gesundheitliche Lärmrisiken und deren Vermeidung. So sollten künftig bei der Planung von Flughäfen Lärm-Grenzwerte gesetzlich vorgeschrieben sein und tagsüber bei 55 und nachts bei 45 Dezibel liegen. Auch der Schutz vorhandener Siedlungen müsste von vornherein Bestandteil einer Flughafenplanung sein.

Zudem fordern die Experten ein bundesweites Luftverkehrskonzept, dass es bislang nicht gibt. "Derzeit plant jedes Bundesland für sich allein", kritisiert Eckhard Bock, Leiter der Projektgruppe "Schutzmaßnahmen Ausbau Schönefeld". In den kommenden Wochen will Welters gemeinsam mit dem Umweltamt das Symposium auswerten und Ergebnisse öffentlich machen. "Ich denke, bis zum Jahresende sind wir fertig", sagt der Stadtrat. "Dann können wir auf die vielen Anfragen mit einer fundierten Beratung reagieren." Nach wie vor wird in mehreren Ortsteilen wie Müggelheim und Karolinenhof der Fluglärm gemessen. Die Werte liegen zwischen 75 und 80 Dezibel.

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