Berlin : Durch die Brosche: Vorsicht, ich bin eine Schlange

Tanja Buntrock

Walter Momper trug früher immer einen roten Schal, um damit seine politische Zugehörigkeit auszudrücken. Der rote Schal - ein Symbol. Die amerikanische Außenministerin Madeleine Albright ist in dieser Hinsicht einfallsreicher. Sie treibt auf ungewöhnliche Weise ein intellektuelles Spiel, indem sie Schmuck als Symbol einsetzt, um etwas "durch die Brosche" zu sagen. Als beispielsweise die irakische Presse Madeleine Albright mit einer Schlange verglichen hatte, erschien sie zum Treffen mit Iraks stellvertretendem Ministerpräsidenten Tarik Aziz kühl und selbstbewusst mit einer Brosche in Schlangengestalt am Kleid.

Das Schmuckkästchen der US-Außenministerin ist noch mit manchen anderen hintersinnigen Pretiosen gefüllt: die Brosche als Spinne (Hüte sich, wer kann), als Taube (Bote mit friedlichen Absichten), Luftballon (Gespräche in entspannter Atmosphäre), Biene (fleißig, aber mit verborgenem Stachel). Vor drei Jahren veröffentlichte das US-Magazin "Time" eine Geschichte über Albrights Broschen als Ausdruck politischer Ironie. Das wiederum begeisterte Helen Drutt, Galeristin aus Philadelphia. Weniger begeistert war sie allerdings darüber, dass es sich bei Madeleine Albrights Schmuck um Serienprodukte handelte. Deshalb bat sie 70 Schmuckgestalter aus der ganzen Welt, individuelle Stücke für die Außenministerin zu entwerfen. 62 Künstler aus 14 Ländern kamen Helen Drutts Bitte nach. Ihre Schmuckobjekte sind unter dem Titel "Brooching is diplomatically" ab heute, 20 Uhr, im Rahmen der Langen Nacht der Museen im Kunstgewerbemuseum am Matthäikirchplatz zu sehen. Bis zum 26. November zeigt das Museum die Kunstobjekte, die schon in Philadelphia, Helsinki, Tallinn, New York, Honolulu und Genua zu sehen waren. Deganit Schocken aus Israel entwarf etwa eine Brosche mit Ölbäumen und Sand, als Symbol des Friedens im Nahen Osten. Andere spielten auf die von der Außenministerin vertretene Macht an, symbolisiert durch eine Drachenbrosche oder einen Totenkopf.

Großes Interesse habe Madeleine Albright an den Stücken gezeigt, jedoch noch keines gekauft, sagt Helen Drutt. Vielleicht wartet sie ja auch darauf, dass Bundesaußenminister Joschka Fischer ihr eines schenkt.

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