• Durch Entführung geheiratet Wie ein türkischer Ehemann in der Hürriyet über sein Eheleid klagt

Berlin : Durch Entführung geheiratet Wie ein türkischer Ehemann in der Hürriyet über sein Eheleid klagt

Suzan Gülfirat

Ab und an erscheinen in türkischen Blättern Texte, über die deutsche Leser nur verständnislos mit dem Kopf schütteln würden. Eine solche Geschichte war am Sonntag wieder einmal in der Hürriyet zu lesen. Ein 28-jähriger Türke aus Berlin wandte sich an die auflagenstarke Zeitung, weil ihm seine Ehefrau weggelaufen war. Nun klagte er sein Leid: „Er ist sehr traurig, weil er seit zwei Monaten seinen vierjährigen Sohn nicht gesehen hat“, schrieb die Hürriyet.

Dazu zeigte die Zeitung eine Aufnahme des Paares aus scheinbar glücklicheren Zeiten, eines jener Bilder, wie sie massenhaft in den Schaufenstern von Kreuzberger Fotoläden hängen. Die Überschrift ließ keinen Zweifel daran, dass es mit der Liebe des Ehemannes endgültig vorbei ist: „Selbst wenn sie zurückkehren sollte, werde ich ihr nicht verzeihen.“ Die Hürriyet erklärte: „Seit sechs Jahren ist Özgür Eryilmaz (28) mit Yasemin Eryilmaz (24) verheiratet. Der Familienvater ist von Sinnen, nachdem seine Ehefrau zusammen mit dem Sohn zum sechsten Mal weggelaufen ist.“ Dann spricht der verlassene Ehemann: „Ich habe alles getan, damit unsere Ehe funktioniert. Man hat ja seinen männlichen Stolz. Ich wünsche ihr alles Gute.“ Özgür Eryilmaz stellt sich dar als guter Hausmann und Gentleman: „Ich habe gekocht und geputzt. Drei Mal sind wir umgezogen, weil ihr unsere Wohnungen nicht gefallen haben.“ Doch vergebens: „Seit zwei Monaten habe ich unseren Sohn nicht mehr gesehen. Alles andere werden jetzt die Gerichte klären.“

Der Text war nur 20 Zeilen lang, aber enthielt ein umfassendes Sittenbild der türkischen Beziehungskultur. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Als er mit seiner Familie zu Yasemins Familie ging, um sie um die Hand ihrer Tochter zu bitten, war der von der Mutter getrennt lebende Vater gegen die Ehe. Ich habe Yasemin daraufhin angeboten, mit ihr durchzubrennen.“ Dazu muss man wissen, dass bei den Türken in der Regel die Familie und nicht der Mann um die Hand der Zukünftigen anhält. „Er hat sie durch Entführung geheiratet“, heißt so etwas im Türkischen. Özgür Eryilmaz gab an, dass das Paar nach Stuttgart geflüchtet sei. „Daraufhin habe ich ihren Vater angerufen und ihm gesagt, dass wir die roten Linsen in den Ofen geschoben haben und dass Yasemin jetzt meine Familienehre ist.“ Das türkisch-deutsche Wörterbuch übersetzt die Rote-Linsen-Metapher mit Beischlaf. „Daraufhin hat die Polizei unsere Wohnung gestürmt, weil Yasemin jünger als 18 war. Erst ein Jahr später durfte ich sie heiraten.“ Zum Schluss sagt der verlassene Ehemann: „Meine Frau hatte kein Verständnis dafür, dass ich arbeitslos bin. Meinem Sohn zuliebe habe ich ihr nach jeder Rückkehr verziehen. Aber jetzt reicht’s mir.“

Warum Yasemin Eryilmaz ihren Ehemann tatsächlich verlassen hat, geht aus dem Artikel nicht hervor. Vielleicht meldet sie sich – und erzählt ihre Version in der Hürriyet .

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