Berlin : Durchatmen bei der Bahn: Jetzt auch "rauchfreie Bahnhöfe"

Klaus Kurpjuweit

Ihren Zügen hat die Bahn das Qualmen schon lange abgewöhnt, jetzt will sie auch die Fahrgäste vom Rauchen abhalten: Der Ostbahnhof sowie die Bahnhöfe Lichtenberg und Zoo sollen voraussichtlich vom Sommer nächsten Jahres an zu "rauchfreien Bahnhöfen" werden. Ein Versuch im Bonner Hauptbahnhof habe sich bereits in den ersten Monaten bewährt, heißt es bei der Bahn. Bundesweit sind zunächst 63 "Nichtraucherbahnhöfe" geplant. Auch Potsdam und Cottbus sind dabei.

Bereits am Eingang müssen die Fahrgäste ihre Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen ausmachen. Für Kippen werden an den Türen Aschenbecher installiert und Schilder aufgestellt. Ganz aufs Rauchen verzichten müssen die Qualmer aber doch nicht, denn auf den Bahnsteigen wird es Raucherbereiche - und Aschenbecher - geben. Auch in den Gastronomiebereichen und den Lounges, so sie denn vorhanden sind, darf weiter gepafft werden.

In Bonn hätten die meisten Raucher Verständnis für das Verbot gezeigt und sich daran gehalten, sagte die für die Personenbahnhöfe zuständige Sprecherin, Ariane Alzer. Notorische Qualmer würden zunächst vom Servicepersonal ermahnt, sagte der Berliner Bahnsprecher Andreas Fuhrmann. Fruchte auch dies nicht, verlange die Bahn ein Reinigungsentgelt in Höhe von 30 Mark. Sie kann auch ein Hausverbot aussprechen.

Das Rauchverbot verbessert nicht nur die Luft, sondern zahlt sich für die Bahn auch finanziell aus. In Bonn sei der Reinigungsaufwand "spürbar" zurückgegangen, so Alzer. Die Verunreinigungen auf den Bahnsteigen und den Gleisen verursachten bundesweit jährlich Kosten in Millionenhöhe.

Auch die S-Bahn schließt sich der Kampagne an. Sie will auf den Bahnhöfen im Nord-Süd-Tunnel ein Rauchverbot durchsetzen. An den Zugängen sind bereits Aschenbecher aufgestellt. Und zumindest hier denkt die Bahn auch an Touristen, denn den Hinweis, dass in dieser Station Rauchverbot herrsche, gibt es auch auf Englisch und Französisch. Für Januar plane man eine "witzige" Aktion, um die Raucher anzusprechen, kündigte S-Bahnsprecher Ingo Priegnitz an. Er gab aber auch zu, dass es noch zu wenig Rauchverbotsschilder gebe.

Solche Hinweise sind zwar auf den U-Bahnhöfen der BVG vorhanden, doch sie werden häufig ignoriert. Personal, das Raucher auf das Verbot hinweisen könnte, ist selten vorhanden. Allerdings haben die möglichen Koalitionsparteien beschlossen, alle Bahnhöfe der Stadt wieder mit Personal zu besetzen. Auch Fahrscheinkontrolleure sollten darauf achten, dass das Rauchverbot eingehalten werde, sagte BVG-Sprecher Wolfgang Göbel.

Allerdings sei die Rechtslage kompliziert. Das vor Jahren ausgeprochene Rauchverbot in Bahnen und Bussen sei gerichtlich bestätigt worden; für Bahnsteige fehle eine gesetzliche Regelung aber bis heute. Sanktionen seien deshalb nur schwer durchzusetzen. Kein Vorbild war jahrelang auch das eigene Personal. Erst seit kurzem dürfen auch die BVG-Mitarbeiter in ihren einsehbaren Buden sowie im Bus oder im Führerstand nicht mehr rauchen.

Fast qualmfrei sind seit etwa einem Jahr auch die Flughäfen der Stadt. Nach Meckereien zu Beginn des Rauchverbots hielten sich die meisten Passagiere inzwischen daran, sagte Flughafensprecherin Rosemarie Meichsner. Aschenbecher gibt es, wie bei der Bahn geplant, nur an den Eingängen sowie in den Raucherzonen der Restaurants.

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