Berlin : Durchbruch statt Kahlschlag

Alternativplan soll Boulevard-Bühnen im Ku’damm-Karree retten. Passage öffnet Innenraum zur Straße

Christian van Lessen

Beide abrissbedrohten Kurfürstendamm-Bühnen könnten bei einem Umbau des Ku’damm- Karrees gerettet werden. Das sieht ein Alternativplan vor, den der bekannte Architekt Christoph Langhof und der Geschäftsmann Gottfried Kupsch – Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft City – entwickelt haben. Kern des Umbaukonzepts ist, eine Bresche in die Häuserfront des Karrees am Kurfürstendamm zu schlagen und eine von „hochwertigen“ Einzelhandelsflächen flankierte offene Passage anzulegen. Sie führt vom Boulevard zu einem brunnenbestückten Hof vor dem bislang fast versteckten Hochhaus. Es soll als Zentrum des Karrees besser zur Geltung kommen. Anders als bei der bisherigen Planung bliebe eine der Bühnen, die Komödie, unbeeinträchtigt am angestammten Ort, das Theater am Kurfürstendamm müsste weichen, fände aber in einem neuen Anbau am Hochhaus Platz.

„Wir wollen zeigen, dass eine andere Lösung möglich ist.“ Langhof und Immobilienexperte Kupsch verstehen ihren Entwurf als „Anregung“ für die Deutsche Bank oder an andere Investoren, falls sich die Bank von ihrem Grundstück wieder trennen sollte. Das Zubauen mit einem reinen Shopping-Center entlang zweier Passagen zwischen Kurfürstendamm und Uhlandstraße – , wie von der Bank-Tochter DB Real Estate geplant, werde die Umgebung jedenfalls „abwerten“, heißt es. Die Lage sei für ein derartiges Einkaufszentrum ungeeignet, das Karree vor allem eine „Büro-Immobilie“.

Klaus Winker von der Deutschen Bank betont, mit den Theatern sei man „in konstruktiver Atmosphäre“ im Gespräch, habe aber darüber Stillschweigen vereinbart. Es werde vermutlich auch über diesen Alternativplan gesprochen. Theaterchef Martin Woelffer sagt zu dem neuen Entwurf nur, es sei „erfreulich, wenn jemand kreativ mit dem Grundstück umgeht“. Der Entwurf sei nicht überzeugend, findet Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Einen Grund will er nicht nennen. Er sagt nur, dass der Bezirk und der von der Bank beauftragte Projektentwickler MFI einen städtebaulichen Vertrag vorbereitet hätten, der vermutlich Anfang Dezember im Stadtplanungsausschuss vorgestellt werde. Ein Theater werde erhalten bleiben können.

Kernstück des auf 50 Millionen Euro geschätzten Alternativ-Umbaus ist die offene, teilweise mit Baldachin versehene Passage, die von neuen Geschäftsräumen für „hochwertige“ Geschäfte flankiert wird. Die Verbindung zwischen Kurfürstendamm und neuem Hof soll nicht wie ein dunkler Schlauch, sondern hell und sonnig sein. Das Grundstück des Karrees zwischen Ku’damm, Uhland-, Lietzenburger- und Knesebeckstraße wird zum Teil „entkernt“, der neue Hof kann dort entstehen, wo in den letzten Jahren der große Elektronikmarkt war. Die Öffnung der Häuserfront am Kurfürstendamm stelle keinen Bruch mit der Historie dar, versichern Langhof und Kupsch. Schon vor dem Krieg habe es eine Art freier Passage gegeben. Architekt Langhof sagt, die Vorderhäuser des Karrees müssten ohnehin abgerissen werden, sei seien zu verwinkelt und „wirklich schlecht“.

Die beiden Theater im Inneren des Karrees dürfen vorerst bis Ende Juni 2007 bleiben, ursprünglich sollten sie zum kommenden Jahreswechsel räumen. Gegen den geplanten Abriss wurden inzwischen fast 100 000 Unterschriften gesammelt. Nach den derzeit bekannten Umbauplänen müssten beide traditionsreichen Theater weichen, eines könnte an anderer Stelle neu gebaut werden. Die DB Real Estate hatte das aus den siebziger Jahren stammende Karree, das um die alten Theater herumgebaut wurde, 2002 für 210 Millionen Euro gekauft. Der Verkehrswert für die Immobilie mit hohem Leerstand soll inzwischen bei 130 Millionen Euro liegen.

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