Durchfahrt : Warum der ICE nicht in Potsdam hält

Der letzte ICE hielt 2006 in Potsdam, seitdem fahren die Schnellzüge vorbei. In Brandenburgs Landeshauptstadt wollen sie das nicht einsehen - und fordern zumindest eine bessere Anbindung nach Spandau.

Marco Zschieck
Hallo? Hallo? Ist hier jemand? Potsdam, Fernbahnhof, ein Idyll - nicht nur in kalten Winternächten.
Hallo? Hallo? Ist hier jemand? Potsdam, Fernbahnhof, ein Idyll - nicht nur in kalten Winternächten.Foto: André Görke

Der Hauptbahnhof der Landeshauptstadt bleibt auch in Zukunft weitgehend vom Fernverkehr abgekoppelt. Auch wenn derzeit wegen der Hochwasserschäden viele ICE-Züge durch Potsdam fahren – Bahn-Chef Rüdiger Grube ist gegen einen regulären Stopp. Deshalb fordert die Stadt zumindest eine bessere Erreichbarkeit durch eine Regionalbahnverbindung zum ICE-Bahnhof in Berlin-Spandau.

Ein ICE-Stopp in Potsdam hätte für mehr Reisende Nachteile, als durch einen zusätzlichen Halt in Potsdam profitieren würden, antwortete Grube auf einen Brief des brandenburgischen Infrastrukturministers Jörg Vogelsänger (SPD). Anlass der Diskussion ist die Umleitung von ICE-Zügen seit dem Juni-Hochwasser.

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ICE - drei Buchstaben, die den Zugverkehr in Deutschland verändern. Am 2. Juni 1991 nimmt die Deutsche Bahn mit den ersten Intercity-Express-Zügen (ICE) ihre Hochgeschwindigkeitsflotte in Betrieb.Weitere Bilder anzeigen
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01.06.2011 18:12ICE - drei Buchstaben, die den Zugverkehr in Deutschland verändern. Am 2. Juni 1991 nimmt die Deutsche Bahn mit den ersten...

Wegen Schäden an der Elbbrücke können vorerst keine Züge über die Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und Hannover fahren. Stattdessen leitet die Bahn den Fernverkehr von und nach Westen mit Zwischenstopps in Braunschweig und Magdeburg um, ohne Halt in Potsdam. Durch die Umleitung verlängert sich die Fahrtzeit zwischen Berlin und Hannover um genau eine Stunde. Ein zusätzlicher Stopp würde den Fahrplan weiter durcheinanderbringen, heißt es bei der Bahn.

Derzeit hält lediglich der Intercity von Cottbus nach Norddeich und ein Nachtzug von Berlin nach München in Potsdam. Grundsätzlich sieht das Konzept der Bahn vor, dass die ICE-Züge die sogenannten Metropolregionen mit möglichst wenigen Zwischenstopps verbinden. Reisende von und nach Potsdam sind deshalb auf die Regionalzüge zum Berliner Hauptbahnhof oder die S-Bahn angewiesen. Eine Regionalbahn nach Spandau wäre nach Meinung der Stadt Potsdam jedoch besser. So steht es auch im neuen Standortentwicklungskonzept der Stadtverwaltung.

Das brandenburgische Ministerium für Infrastruktur lehnt solch eine zusätzliche Regionalverbindung ab. Es bestehe kein Bedarf, weil die Verbindung zum Berliner Hauptbahnhof sehr gut sei, teilte dessen Sprecher Lothar Wiegand auf Anfrage mit. „Dem Land fehlen auch die Mittel, um zusätzliche Züge hier fahren zu lassen.“

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