Berlin : Durst auf Blut

Im Theater des Westens wurde gestern die Premiere des Musicals „Tanz der Vampire“ begeistert gefeiert Roman Polanski, vor fast 40 Jahren Regisseur des gleichnamigen Films, wurde als Ehrengast mit viel Applaus bedacht

Andreas Conrad,Matthias Oloew

„Wir hätten schon viel eher nach Berlin kommen sollen“, sagte Roman Polanski am Ende der Galapremiere. Damit dankte er am Sonntagabend im Theater des Westens nach der ersten Aufführung des Musicals „Tanz der Vampire“ dem Publikum, das begeistert und teils frenetisch klatschte, um danach bei der Party die neue Show zu feiern.

Mit der Bühnenfassung von Polanskis Filmklassiker versucht die Stage Entertainment, Hausherrin an der Kantstraße, aus dem Besuchertief herauszukommen, in dem das Haus derzeit noch steckt. „Tanz der Vampire“ ist eine große und aufwändige Show, die 1997 in Wien uraufgeführt wurde. Nach Angaben der Stage Entertainment haben bisher vier Millionen Menschen das Musical in Österreich und seinen weiteren Spielorten Stuttgart und Hamburg gesehen. Die neue Show löst das Elton-John-Musical „Aida“ ab, das beim Publikum zwar gut angekommen, aber von vornherein nur als Zwischenlösung geplant war.

Die Galapremiere am Sonntag startete mit fast einer halben Stunde Verspätung. Stargast Polanski schaffte es nicht pünktlich. Ein Theatersprecher warb im nicht voll besetzten Saal um Verständnis: „Er steckt noch im Auto vom Kempinski hierhin.“ Darüber wunderten sich viele Gäste, ist doch das Hotel nur 500 Meter entfernt. Aber sei es drum – bei seinem Eintreffen wurde Polanski zusammen mit seiner Frau Emmanuelle Seigner mit stehendem Applaus empfangen.

Auf der Einladung stand zwar etwas von Smoking, viele der Premierengäste zogen es aber vor, im kostümierten Vampiroutfit zu erscheinen. So auch Frank Zander. Der Nachteil: Wie trinkt man mit einem angeklebten Kunstgebiss sein Bier? Die Tresenkraft im Foyer wollte Zander schon einen Strohhalm reichen, da sagte der: „Geht schon“ – und nahm die fletschenden Plastikeckzähne heraus. Mit einer gewissen Spannung wurde der Auftritt von Alexander Klaws erwartet. Der Sieger der ersten Staffel „Deutschland sucht den Superstar“ stand zum ersten Mal auf der Musical-Bühne. Klaws hatte, nachdem seine Solokarriere geringfügig an Fahrt verloren hatte, eine mehrmonatige Musical-Ausbildung aufgenommen. Gleich nach deren Ende bekam er diese große Rolle im Theater des Westens. Dem Publikum gefiel, wie Klaws den Alfred, den Assistenten des Vampir-Jägers Professor Abronsius, spielte. Jene Rolle, die im Film Polanski innehatte. Dieser dankte nach der Aufführung den Schauspielern und Sängern: „Sie hatten nicht genügend Zeit für die Proben, aber sie haben es toll gemacht.“

Für Polanski verbinden sich mit „Tanz der Vampire“, obwohl er längst als Kultfilm gilt, nicht nur positive Erinnerungen. Während der Dreharbeiten 1967 begann seine Beziehung mit der Schauspielerin Sharon Tate, die zwei Jahre später hochschwanger von Mitgliedern der sektenartigen Manson-Family ermordet wurde. Schon die Dreharbeiten gestalteten sich teilweise problematisch. Der Film spielt im Winter auf einem verschneiten Schloss, am Drehort in den Dolomiten schmolz die weiße Pracht aber durch einen überraschenden Wärmeeinbruch allzu rasch zusammen, so dass erhebliche Teile der Schneeszenen im Studio entstehen mussten. Auch gab es Bedenken der Produktionsfirma MGM wegen einiger von ihr als gewagt empfundener Szenen. Besonders ein ausgiebiges Bad von Sharon Tate war den Filmoberen nicht geheuer, wie sich Polanski in seiner Autobiografie erinnert. Es gab Anweisungen wie „Bitte nicht so große Betonung auf die Busenspalte des Mädchens legen“ und überhaupt: „Wir warnen vor zu viel Nacktheit in der Badeszene.“

Der ganz große Ärger kam aber später. Polanski hatte sich für die US-Version des Films nicht den letzten Schnitt ausbedungen. Der Film kam um 20 Minuten gekürzt in die US-Kinos, einige Stimmen wurden neu synchronisiert, so auch die von Polanski, vorangestellt wurde eine Zeichentricksequenz, um die Handlung zu erläutern. Gelohnt hat sich das für den Verleih nicht: In den USA und Kanada wurde „Tanz der Vampire“ ein völliger Flop, erst in Europa, in der von Polanski gewünschten Form, setzte er sich durch.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben