Berlin : E-Mail aus der S-Bahn

Was das Unternehmen Connex auf dem Ring anders machen will – und was eine Privatisierung für die Fahrgäste bedeutet

Klaus Kurpjuweit

Der Nahverkehr in Berlin steht möglicherweise vor einer großen Umwälzung. Die S-Bahn nimmt das Angebot des französisch-deutschen Unternehmens Connex an den Senat, den Verkehr auf der Ringbahn zu übernehmen, sehr ernst. Über die Offerte hatte der Tagesspiegel gestern berichtet. Die Stadtentwicklungsverwaltung prüft das Angebot derzeit und will schnell entscheiden, ob es weiter verfolgt wird.

Was bietet Connex an?

Das private Unternehmen will Züge auf dem Ring kreisen lassen. Die S-Bahn kann wie bisher Züge von Außenstrecken auf den Ring überleiten. Bahnen beider Gesellschaften wären dann auf dem Ring unterwegs.

Was ändert sich für die Fahrgäste?

Im Betrieb nichts. Die Fahrgäste können mit allen Zügen fahren.

Gibt es besondere Fahrscheine?

Nein. Auch wenn Connex eigene Bahnen einsetzen würde, gelten dort die Fahrscheine des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Sie würden auch in den Connex-Zügen anerkannt. Dort gelten sie bereits jetzt in den Connex-Fernzügen innerhalb des Tarifgebietes ABC (Berlin und Umland).

Drohen „englische Verhältnisse“?

Nein. In England wurde versucht, den Bahnverkehr komplett zu privatisieren, was zu Chaos und Unfällen führte. Im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg machen die Verbundgesellschaft sowie der Senat und Brandenburg Vorgaben, die von den Betreibergesellschaften erfüllt werden müssen.

Wird der Betrieb billiger?

Connex verspricht, zu günstigeren Konditionen zu fahren als jetzt die S-Bahn. Davon würde der Senat profitieren, der weniger Zuschüsse zahlen müsste. Die Tarife würden nicht gesenkt, weil sie von allen Gesellschaften im Verbund festgelegt werden.

Haben Fahrgäste überhaupt Vorteile?

Connex verspricht mehr Komfort in den Zügen. Unter anderem soll es möglich sein, während der Fahrt im Internet zu surfen oder Mails zu verschicken. Alle Wagen, von denen jeweils vier durchgängig begehbar sein sollen, werden videoüberwacht.

Sind neue Fahrzeuge erforderlich?

Connex will Züge auf der Basis der modernsten Fahrzeuge der Reihe 481 der S-Bahn beschaffen. Sie sollen an allen Achsen angetrieben werden und somit schneller sein. Der Ring könnte dann in 59 Minuten umkurvt werden. Derzeit benötigt die S-Bahn 63 Minuten, was den Betrieb erschwert. Dadurch kommt es oft zu Verspätungen.

Wäre Connex pünktlicher?

Wahrscheinlich nicht. Auf dem mit einem Milliardenaufwand sanierten Ring fehlen Bahnhöfe mit zwei Bahnsteigen, wo Züge bei Verspätungen aus dem Verkehr genommen werden könnten. Darunter würde auch Connex leiden – und damit wären auch wieder die Fahrgäste betroffen. Zudem müssen Züge aus den südlichen Bereichen weiter auf den Ring wechseln, weil es gar keine anderen Möglichkeiten gibt.

Unterscheidet sich der Service?

Ja. Die S-Bahn setzt Personal auf den Bahnsteigen ein; Connex will dagegen nur Mitarbeiter in den Zügen haben. Sie sollen unter anderem auch Fahrscheine verkaufen und im Notfall Fahrgästen ein Handy überlassen. Service-Personal auf den Bahnsteigen sei besser, sagt Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB.

Gibt es neue Farben für die Züge?

Die Farbgebung steht noch nicht fest. Connex bevorzugt eine Kombination aus Gelb, Blau und Weiß.

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