Easy Abi : Abiball-Betrug: Verantwortliche wieder auf freiem Fuß

Betrogene Abiturienten vom Sartre-Gymnasium aus Hellersdorfer feierten am Freitagabend fröhlich ihren Abiball im Maritim Hotel in Mitte. Der Haftbefehl gegen zwei der Verantwortlichen von "Easy Abi" wurde am Samstag außer Vollzug gesetzt.

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Da kommt Freude auf. Die geprellten Abiturienten des Sartre-Gymnasiums Hellersdorf konnten dank Sponsoren und etwas Zusatzfinanzierung doch noch einen festlichen Abend im Maritim-Hotel verbringen.Alle Bilder anzeigen
Foto: Paul Zinken
18.06.2011 17:12Da kommt Freude auf. Die geprellten Abiturienten des Sartre-Gymnasiums Hellersdorf konnten dank Sponsoren und etwas...

Nach dem Betrugsskandal um Abitur-Bälle in Berlin und Brandenburg sind zwei Verantwortliche der Eventagentur Easy Abi seit Samstag wieder auf freiem Fuß. Wie ein Polizeisprecher sagte, sei der am Freitag ausgestellte Haftbefehl wegen Untreue am Samstag von einem Bereitschaftsrichter außer Vollzug gesetzt worden. Die beiden Beschuldigten erhielten Haftverschonung mit Auflagen. In der Regel müssen sich Betroffene laut Polizeisprecher regelmäßig bei zuständigen Polizeidienststellen melden.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat unterdessen Beschwerde gegen die Entscheidung des Amtsgerichts Tiergarten eingelegt und die Haftverschonung angefochten, sagte Sprecher Martin Steltner. Der ehemalige und der jetzige Manager der Berliner Veranstaltungsfirma waren am Freitag in ihren Wohnungen aufgrund eines bestehenden Haftbefehls festgenommen worden. Die Firma soll von mehr als 30 Schulen das Geld für Abitur-Feiern kassiert, aber die Bälle nicht organisiert haben. Mehr als 1000 Abiturienten sind betroffen. 89 Anzeigen gingen bisher bei der Polizei ein, darunter auch Betroffene vom Sartre-Gymnasium. Ob alle ihr Geld zurückbekommen, bleibt unklar. Egal, erst einmal feierten die Abiturienten ausgiebig das Ende ihrer Schulzeit.

Richtig aufgebrezelt hat sie sich, so wie es sich gehört für einen Abiball: Franziska Lindenberg trägt ein rotes Kleid, das bis zu den Knöcheln reicht, die blonden Haare hat sie hochgesteckt. Dennoch sieht man der 19-jährigen Abiball-Organisatorin den Stress der vergangenen Woche an. Auch jetzt, als sich ihre rund 100 Mitschüler vom Sartre-Gymnasium aus Hellersdorf mit ihren Familien vor dem Maritim Hotel in Mitte versammelt haben, wirkt sie angespannt. „Wir haben gerade noch die Tischordnung geändert“, sagt sie. Ständig kommen Mitschüler, Eltern, Lehrer zu ihr und bedanken sich für ihr Engagement. „Ich bin erleichtert, dass alles geklappt hat und so viele gekommen sind“, sagt Franziska.

Abiturienten um Abschlussball geprellt
Spontan-Demo auf der Warschauer Brücke. Schüler bitten um Spenden für ihren Abi-Ball, nachdem sie von der Eventagentur "Easyabi" um ihr Geld geprellt worden sind.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Marcus Rossow
16.06.2011 07:33Spontan-Demo auf der Warschauer Brücke. Schüler bitten um Spenden für ihren Abi-Ball, nachdem sie von der Eventagentur "Easyabi"...

Erleichtert und froh, dass sie ihren Abiball doch feiern können: So wie Franziska Lindenberg erging es hunderten Abiturienten an diesem Wochenende, nachdem sie von der Agentur Easy Abi betrogen worden waren. „Ich war geschockt, als ich am Samstag vor einer Woche nachts um eins davon erfahren habe“, erzählt Franziska. Die 25 000 Euro, die der Abiball kosten sollte, waren weg und die Party schien geplatzt. In einer Good-Will-Aktion konnten das Maritim Hotel und die Agentur „Lord of Event“, die von Easy Abi mit der Organisation beauftragt worden war, den Abiball aber doch auf die Beine stellen. Um die Kosten zu decken, mussten die Gäste zusätzlich zu den ursprünglich veranschlagten 51 noch einmal 36 Euro zahlen. „Ich hatte befürchtet, dass einige darüber murren würden“, sagt Andreas Lotz von „Lord of Event“.

Von Ärger ist im großen Saal des Maritim Hotels nichts zu spüren. Alles ist festlich hergerichtet: Die 464 Gäste haben an Tischen mit Kerzenleuchtern Platz genommen, das Büffet ist aufgebaut, und auf der Bühne mit Videoleinwand legt ein DJ auf. „Hotel und Agentur haben sich super um uns gekümmert. Hut ab!“ Franziska ist begeistert. „Es war ein geiler Abend“, sagt Franziska am nächsten Morgen. Erst um vier Uhr gingen die Lichter aus. Wie es sich gehört. (mit dpa)

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