Easy Abi : Zwei Manager wegen Abiball-Betrug verhaftet

Im Fall der Betrugsserie der Firma "Easy Abi" sind der ehemalige und der jetzige Manager verhaftet worden. Derzeit wird außerdem die Herkunft der 360.000 Euro geklärt, die bei einer Razzia gefunden worden.

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Schülerinnen und Schüler der Dathe-Oberschule protestieren auf dem Alexanderplatz in Berlin gegen die Event-Agentur Easy-Abi. Daneben sammeln die Schüler Spenden für ihre Abitur-Bälle.
Schülerinnen und Schüler der Dathe-Oberschule protestieren auf dem Alexanderplatz in Berlin gegen die Event-Agentur Easy-Abi....Foto: dpa

Nach dem Betrugsskandal um Abibälle in Berlin und Brandenburg sind zwei Verantwortliche der Eventagentur Easy Abi gefasst worden. Der ehemalige Geschäftsführer David H. und der jetzige Manager Rainer S. der Berliner Veranstaltungsfirma sind am Freitag in ihren Wohnungen verhaftet worden.

Im Fall der Aufklärung der Abiball-Betrugsserie sind die wichtigsten Schritte getan. "Jetzt beginnt die kleinteilige Arbeit", sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Ob die Schüler mit dem Fund der 360.000 Euro, die auf den Konten der mutmaßlichen Täter gefunden wurden, entschädigt werden könnten, sei bisher aber nicht klar. So werde das Geld von der Staatsanwaltschaft solange festgehalten, bis der Betrug nachgewiesen sei. Geklärt werden müsse unter anderem, ob es sich bei der Summe um die Gelder der Abiturienten handle oder die angebliche Kaufsumme, die Karl Heinz R. an die Vorinhaber Marcel L. und David H. bezahlt habe.

"Unsere Position ist besser, als wenn das Geld verschwunden wäre", sagte Neuendorf. Völlig unklar ist den Ermittlern jedoch, welche Methode hinter dem Easy Abi Betrug steckt. "Es war klar, dass die spätestens vor den Abifeiern auffliegen. Normalerweise setzen sich solche Betrüger mit dem ergaunerten Geld ins Ausland ab", hieß es aus dem Landeskriminalamt. Möglicherweise ist etwas schief gelaufen oder die Beschuldigten haben gemeinsame Sache gemacht - was bislang aber nur eine Vermutung ist. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei kommentierten dies gestern offiziell.

Doch stecke hinter derartigen Betrugsgeschichten oft eine so genannte "Bestatterkonstellation". Das heißt: Für ein Unternehmen, das finanziell am Ende ist, wird kein Konkursverfahren eingeleitet, sondern die Besitzer suchen sich eine Art "Strohmann", an den die Firma verkauft wird. Dann verschwinden die Unterlagen und wenn Gläubiger ihr Geld zurückbekommen wollen, ist keiner wirklich belangbar. "Es handelt sich meist um professionelle Betrugsvorhaben. Gerne werden dafür Gesellschaften übernommen, die bereits einen Namen auf dem Markt haben", sagte die auf Betrug spezialisierte Silvia Rohe von Creditreform. Nach dem Kauf würden aus den Firmen beispielsweise Briefkastenfirmen gemacht, um schnelles Geld zu machen und sich dann damit abzusetzen. Solche Verkäufe eigneten sich wunderbar zur Geldwäsche. Vor allem, weil irgendwann nicht mehr nachvollzogen werden könne, woher das Geld gekommen und wohin es gegangen sei.

Die mutmaßlichen Täter sind polizeibekannt

Fakt ist: Unter David H. und Marcel L. wurden die Abiball-Verträge geschlossen. Von Dezember bis Mai ging das Geld der Schüler auf den Firmen-Konten ein. Anfang Mai verkauften sie ihr Unternehmen an Karl Heinz R. Letzterer ist bereits mehrfach sowohl straf- als auch zivilrechtlich in Erscheinung getreten. Meineidsdelikte, Falschaussagen, 2004 folgte eine Konkursgeldstrafe, 2007 ein Verfahren wegen Konkurs mit einer Geldstrafe.

Auch Karl-Heinz R. ist nach Tagesspiegel-Informationen kein unbeschriebenes Blatt. Gegen ihn soll in mehreren Betrugsverfahren ermittelt worden sein. Laut Creditreform liegen 16 Haftanordnungen gegen ihn vor. Doch offenbar gilt bislang nicht als Beschuldigter im aktuellen Betrugsfall zu "Easy Abi" sondern als Zeuge. Auch der ehemalige Geschäftsführer Marcel L., ehemals Bundesvorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe und Ex-Geschäftsführer des Einsteincafes ist der Polizei bekannt: wegen Untreue, Nötigung, Beleidigung und wegen mehrerer Konkursverfahren.

Anwalt Karun Dutta, der die Nebenklagevertretung einer Schülerin übernimmt, will versuchen das Geld innerhalb des Strafprozess zurückzubekommen. "Denn in einem Zivilprozess sehe ich wenig Chancen darauf, falls bei den Gesellschaftern dann nichts zu holen ist." Klar sei aber auch, dass es schwer werde, die beschlagnahmten Gelder zuzuordnen. Derzeit bekäme er viele Anrufe von Betroffenen, die keine Anzeige gestellt hätten und nach dem Geld fragten. "Eine Anzeige ist aber unbedingt notwendig", sagte der Anwalt. Mittlerweile liegen der Polizei 89 Anzeigen vor.

Easy Abi in Hamburg

Sowohl die Staatsanwaltschaft in Berlin als auch in Hamburg prüft, ob es Zusammenhänge zwischen den hiesigen Taten und den Vorgängen in Hamburg gibt. Dort agierte ebenfalls eine Firma unter dem Namen Easy Abi. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt derzeit wegen Betrugs an drei Schulen gegen das Unternehmen in der Hansestadt. Nach ihren bisherigen Erkenntnissen sei ein Beschuldigter auch mit der Firma in Berlin in Verbindung zu bringen, sagte die Staatsanwaltschaft dem NDR. Die Berliner Staatsanwaltschaft wollte dazu keine näheren Angaben machen.

Als einer der Hauptverdächtigten der Staatsanwaltschaft Hamburg gelte der Unternehmer Andre H., hießt es in einem Beitrag des NDR. Der mutmaßliche Betrüger sei bis vor kurzem Geschäftsführer der Easy Abi GmbH Hamburg gewesen, habe aber parallel mindestens ein weiteres Unternehmen mit dem Namen „Weitsicht“ betrieben, auf dessen Konto die Anzahlungen für die Abibälle überwiesen wurden.

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