Eberswalde : Proteste gegen Schließung des Instandsetzungswerks

Vor der Entscheidung über das Instandsetzungswerk in Eberswalde wird heftig gegen seine Schließung gewettert. samt Brandbrief an Merkel.

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Mitarbeiter des Bahnwerks Eberswalde halten während einer Mahnwache für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze am 05.10.2015 auf dem Potsdamer Platz in Berlin (Deutschland) ein Transparent mit der Aufschrift «Wir kämpfen für unsere Arbeitsplätze!» in den Händen.
Mitarbeiter des Bahnwerks Eberswalde halten während einer Mahnwache für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze am 05.10.2015 auf dem...Foto: dpa

Wegen der geplanten Schließung des voll ausgelasteten Instandsetzungswerks in Eberswalde wächst der Druck auf die Deutsche Bahn. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber, der Eberswalder Betriebsratschef Ulf Boehnke, Bürgermeister Friedhelm Boginiski und der Barnimer Landrat Bodo Ihrke am Dienstag in Potsdam an Bahnchef Rüdiger Grube appelliert, das Werk stattdessen an die Deutsche Eisenbahn Service AG (DESAG) zu verkaufen.

Nach Protesten wurde das Projekt verschoben

Die würde das Werk mit seiner hochqualifizierten Belegschaft gern übernehmen, sagte Vorstandschef Thomas Becken.

Bislang wird allerdings befürchtet, dass Grube auf einem für Freitag anberaumten Spitzentreffen doch das Aus für das Bahnwerk verkünden wird. Es war bereits im Oktober 2014 beschlossen, nach Protesten aber noch einmal auf Eis gelegt worden. Die Bahn als bundeseigenes Unternehmen „darf sich nicht aufführen wie eine Heuschrecke von den Cayman Islands“, warnte Gerber.

Becken, 48 Jahre, ist ein erfolgreicher Mittelständler. Er hat mit der DESAG eine Eisenbahn-Firmengruppe aufgebaut: 250 Mitarbeiter, Jahresumsatz rund 35 Millionen Euro. So betreibe man inzwischen bundesweit Güterverkehr, sagte Becken. „Der Markt ist stark wachsend.

Es gibt einen großen Bedarf an Reparaturleistungen.“ Dafür würde das Werk in Eberswalde genutzt. Man habe bereits ein kleines Bahnwerk in Wittenberge, das „zu klein“ geworden sei. Zwar hatte die DESAG im Oktober bei der Bahn ein Angebot eingereicht, auf das es laut Becken aber bislang keine Antwort gab.

Konzept der DESAG sei "seriös"

Man habe einen Preis „in sechsstelliger Höhe“ geboten, würde 100 der 350 Mitarbeiter übernehmen und fünf bis sechs Millionen Euro investieren, sagte Becken. Eine Schließung wäre teurer für die Bahn, sagte Betriebsrat Boehnke. Dagegen hatte Bahnchef Grube noch vor wenigen Tagen gesagt, dass er keine Möglichkeit für einen Verkauf sehe, da die Konzepte der Investoren „weder konzeptionell noch wirtschaftlich tragfähig“ seien. Das zu bewerten sei nicht Sache der Bahn, konterte Gerber. Das Konzept der DESAG, der man eine Förderung zugesagt habe, sei „belastbar und seriös“.

Inzwischen hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sogar bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) interveniert. Nachvollziehbare Gründe für eine Schließung seien bis heute nicht zu erkennen, heißt es in dem Brief. „Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass es der Deutschen Bahn AG mehr um eine Marktbereinigung geht, als um die Zukunft eines gut ausgelasteten Instandhaltungswerkes.“

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