Echo 2017 : Udo Lindenberg erhält Echo für "Pop national" und "Bestes Album"

Am Donnerstag wurden in Berlin außerdem die Band Beginner und Andrea Berg ausgezeichnet. Doch der Abend begann zunächst mit einem Schrecken.

Der Sänger Udo Lindenberg bekommt den Musikpreis Echo in der Kategorie "Künstler Pop National".
Der Sänger Udo Lindenberg bekommt den Musikpreis Echo in der Kategorie "Künstler Pop National".Foto: Rainer Jensen/dpa

Vor der Galalaune diesmal leider erst der Schrecken: Am Donnerstag um 16.55 Uhr kam es auf der Masurenallee, gegenüber dem Eingangsgebäude zur Messe, wo drei Stunden später die Verleihung des Musikpreises Echo stattfinden sollte, zu einem Unfall. Die Sozia eines Motorradfahrers war aus unbekannten Gründen von der Maschine gestürzt und gegen ein Auto geprallt. Ein Rettungswagen und sogar ein Hubschrauber kamen zum Einsatz. Wie schwer die Verletzungen waren, konnte die Polizei am Abend noch nicht sagen.

Da war es mittlerweile 20.45 Uhr, und die Echo-Verleihung hätte eigentlich schon eine Dreiviertelstunde laufen sollen. Aber der Unfall hatte die Anfahrt vieler Gäste verzögert, so war der Galastart erst um 15 Minuten, dann um eine Dreiviertelstunde verschoben worden, zuletzt war es über eine Stunde Verspätung. Ganz gut also, dass die Veranstaltung diesmal nicht wie sonst live im Fernsehen übertragen wurde. So war auf dem roten Teppich, an dessen Rändern zuverlässig immer mal wieder Kreischalarm in den Abendhimmel stieg, jedenfalls keine Eile. Rund 200 Fans hatten sich versammelt – verglichen mit dem meist spärlichen Zaungastaufgebot des an selber Stelle schon oft gefeierten Deutschen Filmpreises ist das gar nicht so schlecht.

Die Band Beginner freut sich am 06.04.2017 in Berlin nach der 25. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo über ihre Auszeichnung in der Kategorie Hip-Hop / Urban national.
Die Band Beginner freut sich am 06.04.2017 in Berlin nach der 25. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo über ihre...Foto: Jens Kalaene/dpa

Und zu sehen bekam man einiges: Das tiefste Dekolleté? Der jungen Schauspielerin Luise Befort reichte es bis fast zum Nabel. Das verwirrendste Kleidungsstück? Der blauglänzende Anzug von Rammstein-Sänger Till Lindemann, der durch die Lichtreflexe aus der Ferne aussah, als habe er gerade, nicht sehr professionell, seine Wohnung gestrichen. Was er vermutlich noch nie getan hat. Das voluminöseste Kleid? Gewiss das von Model Nathalie Volk, begleitet von ihrem Medienunternehmer Frank Otto. Ein Traum in Hellblau mit weißen Blumenapplikationen, für Hochzeiten bestens geeignet. Helene Fischer fehlte übrigens: Keine Nominierung, kein Kommen.

Aufkleber abknibbeln statt Umschläge öffnen

Kurz nach 21 Uhr war es dann endlich so weit: Die Feier konnte beginnen. Im Saal hatten es sich die in kleinen Gruppen an runden Tischen platzierten Gäste längst bequem gemacht. Die Lichtregie wechselte auf schummriges Rot, eine Bigband begann ihre wohltönende Arbeit, Begleitung für die beiden Moderatoren Sasha und Xavier Naidoo, die erst mal ein eigens für den Echo komponiertes Lied darboten. Tja, und dann das Moderieren versuchten. Das erwies sich anfangs als ziemlich schwierig. Nach einigem Gestotter erfuhr man endlich: Der erste Preis, in der Kategorie „Pop national“ geht an – Udo Lindenberg. Der Saal jubelte.

Die Sänger Sasha (r) und Xavier Naidoo moderieren am 06.04.2017 in Berlin die 26. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo. Foto: Pool/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Die Sänger Sasha (r) und Xavier Naidoo moderieren am 06.04.2017 in Berlin die 26. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo....Foto: Rainer Jensen/dpa

Offensichtlich hat das Beispiel der Oscar-Verleihung mit dem Debakel der vertauschten Umschläge auch die Echo-Veranstalter verschreckt. Umschläge mit den Namen der Preisträger waren noch im Vorjahr üblich. Diesmal fehlten sie und auf den Preiskarten mussten nur kleine Aufkleber über dem eingravierten Namen abgeknibbelt werden. Allerdings waren die Namen offenbar zu klein gedruckt, die Moderatoren hatten oft Mühe, sie zu entziffern.

Udo also, der später noch für das "Album des Jahres" geehrt wurde: Er tänzelte auf die Bühne, gab einige Erinnerungen zum Besten. Das sei ja wie beim ersten Mal und durchaus keine Routine: „Ich habe ja schon ja schon den Echo fürs Lebenswerk, weil ihr dachtet: Der Junge macht nicht mehr lange.“ Das war zum Glück ein Irrtum.

Nun kam die Gala endlich ins Laufen – und es folgte eine Überraschung. Denn die Jungs von Beginner hatten selbst wohl nicht damit gerechnet, dass ihnen in der Kategorie „HipHop Urban national“ der Echo zugesprochen würde. Wurde er aber.

Musik ist Trumpf
Ein Mitarbeiter reinigt vor der 26. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo den roten Teppich vor der Messe Berlin.Weitere Bilder anzeigen
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06.04.2017 22:58Ein Mitarbeiter reinigt vor der 26. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo den roten Teppich vor der Messe Berlin.

Nun sang Adel Tawil, ein musikalischer Pausenfüller, bevor man zur Vergabe in der Kategorie „Schlager“ schritt. Es gewann Andrea Berg, was nur sehr verhaltenen Applaus auslöste. Xavier Naidoo sah sich nun zu einer Prognose veranlasst: „Die Kategorien sind kaum noch zu unterscheiden. Vielleicht ist es das letzte Mal, dass der Schlager eine eigene Kategorie beim Echo hat.“ Dunkle Worte an einem Abend, der noch lang werden würde.

Doch es gab auch kritische Töne, von Campino, der später mit den Toten Hosen auftrat: Er konterte Jan Böhmermanns Kritik am Echo und den Charity-Projekten der Popstars. Campino dagegen, der den Preis an die Initiative „Viva con Agua“ überreichte, will „lieber uncool sein, als ein cooles Arschloch, das sich nicht konstruktiv einbringen kann“. Recht hat er.

Ziemlich zum Schluss dann, ein Höhepunkt des Abends, die Verleihung der Echos an Marius Müller-Westernhagen für sein Lebenswerk. Olli Dietrich hielt die Laudatio, pries Westernhagens Texte, von denen viele ohne weiteres in Schulbüchern neben Brecht stehen könnten. Und der so Geehrte wurde dann sogar ein wenig pathetisch: "Widerstand ist wertvoller als Duckmäusertum." Das fiel die Wahl des Liedes, das er dann sang, nicht schwer: "Freiheit".

Die Liste der Preisträger:

Album des Jahres: Udo Lindenberg
Hit des Jahres: Drake
Künster Pop national: Udo Lindenberg
Künstlerin Pop national: Ina Müller
Band Pop national: AnnenMayKantereit
Schlager: Andrea Berg
Volkstümliche Musik: Andreas Gabalier
HipHop/Urban national: Beginner
Dance national: Alle Farben
Rock national: Broilers
Künstler international: Rag'n'Bone Man
Newcomer national: AnnenMayKantereit
Newcomer international: Rag'n'Bone Man
Kritikerpreis: Beginner
Lebenswerk: Marius Müller-Westernhagen
Soziales Engagement: Viva con Agua
Partner des Jahres: Popakademie Baden-Württemberg
Musikabteilung: Kulturkaufhaus Dussmann
Sonderpreis: Musiktherapeut Lutz Neugebauer

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