Berlin : Echt anziehend

Sie machen Männerkleidung, die für Furore sorgt: die jungen Designer der „Firma“. Heute erhalten sie die den Modepreis „Goldene Nase“

Susanna Nieder

Was haben die Modefirmen Carlo Carlucci, Oui und René Lezard gemeinsam? Sie sind alle deutsch, wollen es sich aber nicht anmerken lassen. „Firma“ ist anders. Das Herrenlabel wird in Berlin entworfen, und das soll auf den ersten Blick erkennbar sein. Schon der kühle Name und der kantige Schriftzug zeugen von guter deutscher, im Bauhaus wurzelnder Designtradition, wie sie auch Braun oder Audi pflegen. Ab nächster Saison wird unter dem Namen kleiner „Berlin“ stehen. Damit die Sache klar ist.

So klar wie das Design. Anzüge gibt es bei Firma pro Saison nur ein paar, den Hauptteil macht legere Kleidung aus, schmale Hosen und Hemden, die hervorragend sitzen und den männlichen Körper diskret so in Szene setzen, dass sich jeder international austauschbare Unisex-Look ausschließt. Es gibt Parkas mit vielen funktionalen, abnehmbaren Details, arbeitstaugliche Westen, leichte Pullis und auch mal einen schmalen Mantel. Die Designer Carl Tillessen und Daniela Biesenbach arbeiteten schon beim Berliner Herrenlabel Ralf Handschuch zusammen, bevor sie im Sommer 1999 die erste eigene Kollektion herausbrachten. „Mittlerweile kann man nicht mehr sagen, wer an einer Kollektion was gemacht hat. Das geht ineinander über“, sagt Tillessen.

Daniela Biesenbach ist eine lebhafte Rheinländerin, Carl Tillessen eher der ruhige Typ, beide sind freundlich und völlig unprätentiös. In Firma steckt ihre ganze Kraft: Sie entwerfen und produzieren die Musterkollektionen, organisieren die Produktion, besorgen die Zutaten, fahren auf die Stoffmesse, zeigen ihre Kollektionen auf fünf Messen pro Saison – ihr Jahr hat ungefähr 350 Arbeitstage. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass die Mühe lohnt: „So langsam haben wir richtig Erfolg“, sagt Daniela Biesenbach und strahlt. Vierzig Kunden im In- und sechzig im Ausland von New York bis Tokio, das ist keine schlechte Bilanz nach fünf Jahren. 2001 wurde das Label in einem Wettbewerb des Deutschen Instituts für Herrenmode als „Bester internationaler Designer“ ausgezeichnet. Wenn eins der derzeitigen Berliner Modelabels das Zeug dazu hat, eines Tages zur Marke zu werden, dann ist es Firma.

Bei einer solchen internationalen Präsenz mit einem erklärtermaßen deutschen Designkonzept ist eine Auseinandersetzung damit fällig, was Deutschsein heißt. Tillessen plädiert für gesundes Selbstvertrauen. „Männerkleidung wird immer dann als sexy empfunden, wenn sie körperliche Kraft suggeriert.“ An den Bereichen Sport, körperliche Arbeit und Militär komme man da gar nicht vorbei. „Doch ein englischer Kunde sagte, wir als deutsches Label dürften keine Schulterklappen machen, das sei zu militärisch. Und ein Belgier hat sich über den Schatten unter Nase eines Models beschwert, weil der ihn an einen Hitlerbart erinnert.“ Auf diese Art von Breitseite hat Tillessen, über zwanzig Jahre nach Kriegsende geboren, keine Lust mehr. Auch in der Bundesrepublik gehörte es lange zum guten Ton, zu loben, was aus dem Ausland kam, und in Deutschland Entstandenes abzutun. Diese Zeiten neigen sich ihrem Ende zu. „Es wird für unsere Kollektionen immer wichtiger, dass man erkennen kann, wo wir herkommen. Von belgischen Designern erwartet man auch eine belgische Identität, von Yves Saint Laurent eine französische.“

Wenn Firma heute Abend den Kritikerpreis der Berliner Modepresse „Die goldene Nase“ erhält, wird sie zur Feier des Tages im Ullsteinhaus eine echt Berliner Modenschau zeigen: Als Models für die laufende Winter- und kommende Sommerkollektion steigen 20 Spieler des Berliner Fußballclubs FC Magnet Mitte auf den Laufsteg. Wiedererkennbares Design braucht schließlich die entsprechenden Träger.

Firma gibt es in Berlin bei Mientus am Ku’damm und bei Respectmen in der Neuen Schönhauser Straße.

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