Berlin : Echt motivierend

Von Leipzig übers Internet nach Friedrichshain: der Spreadshirt-Laden Hier kann jeder sein eigener Designer sein

Grit Thönnissen

„Berlin ist eine T-Shirt-Stadt.“ Findet jedenfalls Daniel Köllner. Deshalb hat er einen Laden eröffnet, der nichts anderes verkauft als bedruckte T-Shirts, vorerst jedenfalls. Keine besonders originelle Idee, zumal der Laden mitten in Friedrichshain liegt – dem Hauptwohnsitz der jungen Berliner T-Shirtträger. Aber die Firma Spreadshirt, die den Shop betreibt, will hier einen Anlaufpunkt für all jene bieten, die sich berufen fühlen, Motive für T-Shirts zu entwerfen. In der Gabelsberger Straße 16 herrscht keine Designerdiktatur. Daniel Köllner und sein Mitstreiter Mike Friedrich haben nicht den Anspruch, erst ein T-Shirt zu bedrucken, und sich dann Designer zu nennen, die gerne über sich lesen würden, dass sie mit ihrer Mode erst Berlin – danach Paris und die ganze Welt erobern werden.

Denn Spreadshirt ist so etwas wie eine Netzgemeinschaft, Community heißt das bei Internetnutzern, mit kommerziellem Anteil. Seit vier Jahren existierte das ganze als Onlineshop: im Internet Motiv und passendes Kleidungsstück aussuchen, Geld geben und ein paar Tage später kommt das bedruckte T-Shirt mit der Post. Ausgedacht hat sich Spreadshirt 2002 der Leipziger Lukasz Gadowski, damals Student, jetzt Firmeninhaber mit mehr als 200 Mitarbeitern und Niederlassungen in den USA und in Paris. Die Homepage von Spreadshirt.de funktioniert wie ein riesiges Einkaufszentrum, in dem jeder einen Shop eröffnen darf, der über ein wenig gestalterisches Talent verfügt. So gibt es T-Shirts von unbekannten Computerbastlern ebenso, wie vom Humoristenduo Stephan Katz & Max Goldt, dem Musiker Bela B oder den Nationalspielern Torsten Frings oder Oliver Neuville.

Der Shop in der Gabelsberger Straße dient dazu, die T-Shirt-Demokratie auch im wirklichen Leben sichtbar zu machen – im Moment ist das noch sehr zurückhaltend. Der Laden hat viele weiße Wände und noch wenig Inhalt. Der kommt ab jetzt alle zwei Wochen in Form von Gewinnershirts. Auf www.derbz.com kann man sein Motiv gegen viele andere in einem Wettbewerb antreten lassen. Besucher der Seite stimmen darüber ab, welches Motiv sie am schönsten finden. Deshalb weist Mike Friedrich vorsorglich darauf hin, dass es hier keinen roten Faden im Sortiment gibt, das infantile T-Shirt mit den grinsenden Kakteen und dem darüber schwebenden Luftballon passt stilistisch so gar nicht zum dem mit dem abstrakten „Moscow Casino“-Aufdruck.

Ein Jugendzentrum wollen Mike Friedrich und Daniel Köllner zwar nicht etablieren. Aber sie hätten nichts dagegen, wenn sich erst jemand an einen der drei bereitstehenden Computer setzt, um sein Lieblingsmotiv auszuwählen und schließlich auch selbst zu entwerfen. Dafür soll es irgendwann Workshops geben, „damit die Leute wissen, wie man eine Siebdruckdatei am Computer berechnet“, sagt der diplomierte Mediendesigner Friedrich.

Wer übrigens Fußballkompatibles finden will, muss erst einmal mit der virtuellen Variante von Spreadshirt Vorlieb nehmen: Im Friedrichshainer Laden gibt es zurzeit nur ein Fußballmotiv: Ein rot durchgestrichener Ball unter dem geschrieben steht: www.wmhasser.de. Natürlich auch aus einem Spreadshirt-Onlineshop. Aber vielleicht gewinnt ja als nächstes ein Motiv, mit dem Konterfei von Franz Beckenbauer oder Diego Maradona – auch wenn sich die beiden Ladenbetreiber nicht sonderlich für die WM begeistern können. Es lebe die T-Shirt-Demokratie!

Gabelsberger Straße 16, Friedrichshain, Montag bis Freitag von 14 bis 20 Uhr, Sonnabend von 12 bis 18 Uhr

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