Berlin : Echter Star, falsche Tickets

Robbie Williams singt am Sonntag im Velodrom. Viele Fans haben keine Karten. Zumindest keine gültigen

Sebastian Leber

Stefanie Nöhren kann ganz beruhigt sein. Die Vorsitzende des Robbie-WilliamsFanclubs „Fans Supreme“ hat ihre Konzertkarte von einer guten Freundin gekauft, und die wiederum hat sie direkt aus dem Laden: „Da habe ich keine Zweifel, dass die echt ist.“

Hunderte andere müssen dagegen zittern: Weil die 7500 Karten für das Williams-Konzert am Sonntag schon 40 Minuten nach Vorverkaufsbeginn vergriffen waren, haben sich Fans bei Internetauktionshäusern oder auf dem Schwarzmarkt ihre Karten besorgt – und wurden von Hochstaplern betrogen. Zum Beispiel Dirk Sauer aus Kreuzberg. Er hat seine Karte vor drei Wochen bei Ebay ersteigert und sie persönlich beim Verkäufer, einem Privatmann aus Steglitz, abgeholt. Der Anbieter wirkte seriös, so dass Sauer gleich mehrere Karten kaufte und diese dann selbst im Internet versteigerte. Das scheinbar Tolle daran: Bei den Karten handelte es sich angeblich um VIP-Tickets des Fernsehsenders Pro Sieben, die nicht nur zum Konzert-, sondern auch zum Besuch der Aftershow-Party berechtigten: „Die waren in edle, gepolsterte Umschläge eingepackt.“ Also nach dem Konzert noch ein Glas Sekt zwischen den ganzen Promis trinken? Vielleicht mit Robbie persönlich auf die gelungene Show anstoßen? Leider nein, denn wie Sauer inzwischen herausfand, gibt es gar keine VIP-Tickets von Pro Sieben. Der Verkäufer aus Steglitz ist selbst ein Opfer der Betrüger, denn er hatte die Karten gutgläubig von einem Dritten bezogen. Gegen den laufen jetzt mehrere Strafanzeigen, und mittlerweile haben sich auch in anderen deutschen Städten Geschädigte gemeldet. Die Berliner Agentur MCT, Organisator der aktuellen Williams-Tour, rät allen Betroffenen, zivilrechtlich gegen den jeweiligen Verkäufer vorzugehen.

Auch der Fanclub von Stefanie Nöhren warnt vor gefälschten Karten aus dem Internet und bildet auf seiner Homepage www.fans-supreme.de zum Vergleich Original und Fälschung nebeneinander ab. Für alle, die im Besitz von echten Karten sind, hat Nöhren aber gute Nachrichten: „Das Konzert wird spektakulär.“ Die 25-Jährige weiß, wovon sie spricht, schließlich ist sie vergangene Woche extra nach Paris gereist, um dort ein Robbie-Williams-Konzert vor 1000 Zuschauern zu sehen. Robbie sei „richtig gut drauf und witzig“ gewesen, und die Lieder seines neuen, in zwei Wochen erscheinenden Albums „Intensive Care“ fielen weit rockiger aus als die auf der Vorgänger-Platte. Auch wer die bereits veröffentlichte Single „Tripping“ nicht möge, könne sich trotzdem auf die Live-Show freuen. „Für 100 Euro kann man aber auch einiges erwarten“, sagt Nöhren.

Gerüchten zufolge hält sich Williams schon seit Mittwochabend in Berlin auf, angeblich hat er für sich und seine engsten Mitarbeiter eine ganze Etage des Hotels Ritz-Carlton am Potsdamer Platz angemietet. Gestern Abend wurde das Hotel bereits von rund 200 Fans belagert, Williams selbst ließ sich zunächst nicht blicken.

Heute Mittag wollen sich die Fans dann zum Flughafen Tempelhof aufmachen: Da stellt der Popstar um 13 Uhr 250 ausgewählten Journalisten seine neuen Lieder vor. Für alle anderen bleiben die Türen verschlossen, diesmal soll es noch exklusiver zugehen als 2002, als Williams sein damaliges Album "Escapology" in Berlin präsentierte.

Die Öffentlichkeit bekommt die neuen Stücke erst zwei Tage später beim Konzert im Velodrom zu hören – der Auftritt wird live in 23 Großraum-Kinos in verschiedenen europäischen Städten übertragen, darunter auch ins UCI-Kino Zoopalast. Aber auch hier gibt es offiziell keine Karten mehr zu kaufen: Die 1070 Plätze im Zoopalast waren ebenfalls innerhalb eines Tages ausverkauft. Dafür wird Pro Sieben das Konzert aufzeichnen und in voller Länge ausstrahlen – allerdings erst am 20. Oktober. Wer also keine Karte fürs Konzert oder das UCI-Kino hat, nicht stundenlang das Ritz-Carlton belagern möchte und dieses Wochenende trotzdem ein bisschen Robbie-Williams-Atmosphäre genießen will, dem bleibt nur das Jahrestreffen der „Fans Supreme“ am Sonntagabend direkt nach dem Konzert. Da kommen alle Fans im „Generator Hotel“ in der Storkower Straße 160 zusammen, hören Robbie-Lieder und unterhalten sich über den Star. Williams selbst werde zwar nicht vorbeischauen, sagt die Vorsitzende Stefanie Nöhren, aber zumindest auf der Videoleinwand könne sein Abbild bewundert werden.

Dirk Sauer aus Kreuzberg wird nicht ins Generator Hotel kommen. Er konnte alle Ebay-Verkäufe rückabwickeln und ist „noch mal mit einem blauen Auge davongekommen“. Vorgestern hat er sich eine neue Karte im Internet ersteigert. Die hat ihn zwar 250 Euro gekostet, aber dafür sei sie – da ist sich Sauer diesmal sicher – hundertprozentig echt: „Das kann ich inzwischen ziemlich gut unterscheiden.“

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