Berlin : Edel-Club: Nichts für Marx

Elisabeth Binder

Clubbing ist gut und schön, aber in arrivierteren Lebensstadien hat man doch gern ein immer gleiches, gediegenes Ambiente. Der Capital Club, der am 1. Oktober in den oberen Etagen des Hilton Hotel öffnet, soll solchen Ansprüchen gerecht werden. Ganz oben gibt es eine Zigarrenlounge, fensterlos, aber dafür mit einer Klimaanlage ausgestattet, die kein Rauchwölkchen im Revers zurücklassen soll. In den Salons und Lounges darunter darf man noch unvernebelter den Blick auf den Gendarmenmarkt genießen.

Das Konzept stammt von Dieter R. Klostermann, einem in Bremen gebürtigen Hotelkaufmann, der von Hongkong aus in 16 Ländern 30 private Geschäfts-, Golf- und Country Clubs betreibt. Clubmanager ist der 32-jährige Österreicher Manfred Gugerel, der besonders stolz ist auf die schönen Antiquitäten, mit denen der Club eingerichtet ist, auf die Stoffe aus China, die Tapeten aus London. Mit einem eigenen Lift können die Mitglieder in die verschiedenen Salons und das Gourmetrestaurant gelangen, in dem Rolf Schmidt kocht, der früher im Hotel Palace und davor im Grand Hotel am Herd stand.

Klostermann ist sich ganz sicher, dass der Zeitpunkt richtig ist, einen Club zu eröffnen: "Die Diplomaten sind hier, und es kommen immer mehr Lobbyisten." Schon jetzt hat der Club über 700 Mitglieder: "Bis Jahresende wird sich deren Zahl bedeutend erhöhen." Innerhalb von zwei Jahren will er komplett sein. Präsident des Gründungskomitees ist Heinz Dürr, dazu gehören unter anderem noch Hartwig Piepenbrock, Wolfgang Fürniß, Paulus Neef, Sandra Pabst und Wolfgang Branoner. Member Relations Direktorin Jenny Gsell nennt die Komiteemitglieder "Schlüssel". Aufgenommen wird nur, wer vom Gründungskomittee empfohlen wird. Auch später soll man nur auf Einladung in den Capital Club gelangen können. Die Aufnahmegebühr beträgt bislang 6000 Mark, soll aber erhöht werden, der Jahresbeitrag liegt bei 2400 Mark. Dafür bekommt man zusätzlich Kontakte und Mitgliedsprivilegien in weltweit mehr als 200 weiteren Clubs. Umgekehrt sollen auch Gäste aus anderen Ländern am Clubleben teilhaben. Musikabende, Weinproben und Sportausflüge ergänzen die eigenen Aktivitäten der Mitglieder. Die Unternehmensgruppe von Dieter Klostermann verfügt zum Beispiel auch über eine Mehrheitsbeteiligung am Berliner Golf- und Country-Club Motzener See.

Nach einer sanften Eröffnungsphase will man Anfang November die Eröffnung in größerem Rahmen feiern. Dies ist natürlich nicht der einzige Club für etablierte Erwachsene. Konkurrenz mit dem International Club oder dem geplanten China Club fürchtet Dieter Klostermann jedoch nicht. Berlin ist für ihn gesellschaftliches Pionierland. Er schwärmt etwa von der "kostenmäßig sehr günstigen" medizinischen Versorgung in der Charité, von den vielen Möglichkeiten, die das Umland, auch in Bad Saarow, bietet und verweist auf Erfolge in Tokio und London, die ihn selbst erstaunt haben. Nur eines fehlt ihm noch: "Der Anschluss an den internationalen Luftverkehr." Auch konservative Clubber bleiben eben gern in Bewegung.

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