Berlin : Edle Tropfen

Bernd Matthies

Es wäre so schön gewesen. Menschliche Wärme und Hilfsbereitschaft statt schnöder Materialschlachten! Denn die Bahn hatte versprochen, alle 1.-Klasse-Fahrgäste, die wegen des verkürzten Dachs am Hauptbahnhof im Regen stehen, mit dem Schirm ins Trockene zu bringen. Nun stellt sich heraus: Das geht gar nicht, es ist viel zu aufwendig.

Dennoch wird es am Gleis eine Art Empfang für die Erstklässler geben. Vermutlich nach den Prinzipien des neumodischen Servicehandbuchs: „Guten Tag, mein Name ist Vanessa Schnulzenbichl, ich bin ihre Ein- und Aussteigehelferin mit Auskunftsfunktion, was kann ich für Sie tun?“ Das wird so schön, so sympathisch, dass nur grobe Spielverderber sagen werden: „Bringen Sie mir einen Schirm!“ Denn das geht ja nicht.

Interessant wird es sein, zu beobachten, ob denn die Servicekräfte bei Regen wenigstens sich selbst mit einem Schirm schützen dürfen – oder im Sinne der Fahrgastsolidarität nun auch nass werden müssen, wenn es regnet. Vermutlich werden sie den Bahnkunden den aktuellen Wetterbericht vorlesen. Und ihnen dann vorschlagen, einfach durch die 2. Klasse auszusteigen. (Seite 12)

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