Berlin : Edles Ambiente und um ein Aquarium gruppierte ausgewählte Gesellschaft

Andreas Oswald

Shark Club Berlin, Rosmarinstraße 8 / 9 in Mitte. Die Bar ist montags bis freitags ab 18 Uhr geöffnet, der Club mittwochs bis sonnabends ab 22 Uhr.Andreas Oswald

Berlin ist Haifischgewässer, und Haifische brauchen Nahrung. Viel Nahrung. Das heißt nicht, dass Haie keinen Geschmack hätten. Sie sind durchaus Gourmets, nur verschlingen sie die Leckerbissen in größeren Brocken. Viele Surferinnen vor der Küste Australiens haben bei Haiangriffen die Erfahrung gemacht, dass das Meerestier kräftig ins Bein beißt, aber dann schnell wieder von der Beute ablässt, weil mehr als ein Bissen von den etwas zu süßen Happen dem Hai nicht schmeckt. Der Hai ist wählerisch. Das weiß auch der Betreiber des vor drei Wochen eröffneten Shark Clubs. Dieser Club für Sharkys war in Berlin lange angekündigt und heiß ersehnt worden und hält ziemlich genau, was er verspricht. Das Ambiente ist edel, die Sitze aus Leder, und alles gruppiert sich um das große Aquarium. Haie sind hier nicht zu sehen, die sollen von außen kommen, hübsche bunte Zierfische schwimmen durch das mitunter sehr trübe Wasser. In diesem Club ist nichts dem Zufall überlassen. Die Cocktails sind perfekt, die Musik ist perfekt und die Männer treffen auf genau die Frauen, die sie sich wünschen. Der Betreiber setzt darauf, dass sich die Zusammensetzung des Publikums nicht über einen hohen Eintrittspreis reguliert, sondern darüber, wer sich zugehörig fühlt oder nicht. Hohe Eintrittspreise, diese Erfahrung musste das Blu am Potsdamer Platz machen, locken eher Leute an, die sie sich eigentlich nicht leisten könnten, aber trotzdem das Geld hinlegen. Im Shark Club ist der Eintritt frei, die Gäste sind edel und aufgekratzt. Das Aufgekratzte und Aufgesetzte gehört dazu, sonst wird es langweilig. Ein Club lockt nicht nur Haie an, sondern auch Lebewesen, die gerne große Haie wären. Man kann sie nicht an ihren Zähnen erkennen, die sind nicht kleiner, dafür sind ihre Zigarren größer. Und billiger. Aus der Sicht der wahren Haie wirken diese Leute unseriös. Aber das gehört dazu. Die dürfen dann auch mal ein wenig im Trüben fischen.

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