Berlin : Edwin Redslob: Eine Dahlemer Straße erinnert an den Tagesspiegel-Vater

Wie es sich gehört, wehrte sich das Tuch ein bisschen dagegen, das neue Straßenschild freizugeben. Aber schließlich gelang es dem gemeinsamen Zug von Bezirksbürgermeister Klaus Eichstädt und FU-Präsident Peter Gaehtgens, der Nebenstraße der Königin-Luise-Straße in Dahlem zu ihrem neuen Namen zu verhelfen: Edwin-Redslob-Straße. Mitgezogen an dem Stück Stoff hatten auch die Töchter, Ottilie Selbach und Sibylle Redslob. In dem kleinen Kreis, der sich um das Rednerpult an der Straßenecke versammelt hatte, strahlten besonders Kunsthändler Bernd Schulz und Staatssekretär Volker Kähne.

Denn dem Drängen des Villa-Grisebach-Chefs und der lebhaften Beförderung des Vorhabens aus der Senatskanzlei verdankt es sich, dass die bisher schlicht mit der Ziffer 667 ausgewiesene Straße nach einem Manne genannt wurde, mit dessen Ehrung sich der Bezirk selbst ehrt.

In das Viertel gehört Redslob als Mitbegründer der Freien Universität und langjähriger Direktor des Kunsthistorischen Instituts, also Dahlemer Institutionen. Aber damit allein ist längst noch nicht ausgeschöpft - wie Eichstädt und Gaehtgens in ihren kurzen Ansprachen ausführten -, was Redslob war.

Da ist der "Reichskunstwart", als der der 1884 in Weimar geborene Kunsthistoriker und Museumsmann in der Weimarer Republik amtierte - kein "ästhetischer Zensor", wie Eichstädt sagte, sondern der Exponent des Versuches, der ersten deutschen Republik so etwas wie einen eigenen Stil zu geben. Da ist aber vor allem die prägende Gestalt des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens im Berlin der Nachkriegszeit, zu der er, den die Nazis 1933 aus dem Amt jagten, nach dem Kriege wurde. Und auch der Tagesspiegel hat ihm einiges zu verdanken, genau genommen seine Existenz, denn Redslob war sein Mitbegründer - und hat dem Blatt nicht zuletzt sein Motto "Rerum cognoscere causas" mit auf den Weg gegeben.

Nicht einmal vor der drängenden Übereignung eines Buches von Redslob an ihn sei Schulz im Laufe seines Werbens für eine Straßen-Benennung zurückgeschreckt, gestand Eichstädt. Wie heißt das Sprichwort? Genau: was lange währt, wird gut. Hier trifft es, seit gestern Mittag, einmal zu. Rdh.

Von Sibylle Redslob herausgegeben, erscheint in diesen Tagen eine Neufassung des Buchs: Sonett und Zeichnung von Michelangelo - eine Auswahl von Gedichten, die in Italienisch und Deutsch nachzulesen sind. Das Besondere daran: Die Übertragung der Texte besorgte seinerzeit Edwin Redslob selbst. Der Band ist beim Verlag Berliner Bibliophilen Abend erschienen. Die Tochter widmet das Buch im Gedenken an "den einfühlsamen Übersetzer", ihrem Vater Edwin Redslob.

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