Ehe für alle : Ulli Köppe stellte Angela Merkel die entscheidende Frage

Mit einer Frage an die Kanzlerin zur Homo-Ehe löste der 28-jährige Berliner Ulli Köppe einen politischen Erdrutsch aus. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam.

Die richtige Frage. Event Manager Ulli Köppe.
Die richtige Frage. Event Manager Ulli Köppe.Foto: privat

„Wann kann ich zu meinem Freund Ehepartner sagen?“  Eine kurze Frage nur an Bundeskanzlerin Angela Merkel beim „Brigitte“-Talk am Montagabend im GorkiTheater, die aber einen kleinen politischen Erdrutsch, eine Wende in der Frage der Homo-Ehe, einleitete. Gestellt hat diese Frage der aus Thüringen stammende Berliner Ulli Köppe, Eventmanager der sich mit ihren Publikationen und Veranstaltungen an die Homosexuellen-Community richtenden Blu-Mediengruppe. Er selbst lebt seit fast zwölf Jahren mit seinem Freund zusammen. Andreas Conrad sprach mit dem 28-Jährigen.

Herr Köppe, haben Sie die Frage spontan gestellt, oder war das geplant?

Es war völlig spontan und ergab sich einfach so. Da niemand aus dem Publikum eine Frage stellte, habe ich mir einfach das Mikrophon gegriffen.

Haben Sie eine Antwort, wie die Kanzlerin sie dann gab, erwartet?

Ich hatte eher damit gerechnet, dass sie ausweichend antworten würde, wie sie das schon früher getan hat. Doch da alle anderen Parteien die Zulassung der Homo-Ehe zur Koalitionsbedingung gemacht haben, war nun wirklich die Frage, wie die CDU sich da verhalten würde. Aber die Antwort hat mich dann doch sehr überrascht. Es war eben die richtige Frage zum richtige Zeitpunkt.

Welche Reaktionen erreichten Sie nach Bekanntwerden der Äußerung Angela Merkels?

Aus der Community kamen viele Mails und SMS, in denen sich Schwule und Leben bei mir bedankt haben. Ich selbst bin dort schon lange engagiert, etwa auch beim Christopher Street Day und anderen Veranstaltungen. Teilweise hat man mich nur etwas erstaunt gefragt, wie ich mich vor meiner Frage als Fan der Kanzlerin bezeichnen konnte. Aber ich bin eben wie sie selbst der Meinung, dass man mit allen Gruppen reden muss, auch wenn man nicht in allem übereinstimmt.

Wie hat denn Ihr Freund hinterher reagiert?

Er war sehr überrascht und wollte wissen, wie es bei der Talkrunde denn dazu gekommen ist. Meine Frage war zwischen uns ja auch in keiner Weise abgesprochen. Wir haben lange darüber gesprochen und sind dann erst mal zusammen schön essen gegangen.

War Ihnen bei der Antwort der Kanzlerin sofort klar, was Sie mit Ihrer Frage ausgelöst haben?

Nein, eigentlich nicht. Ich möchte mich als Person da auch gar nicht so herausstellen. Wichtig ist doch, dass die Homo-Ehe jetzt wohl doch möglich wird. Denn nur eine eingetragene Lebensgemeinschaft, wie es auch jetzt schon möglich war, ist mir und meinem Freund eben doch zu wenig.

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