Berlin : Ehebruch und die EU

Wie türkische Blätter über den Reformstreit in der Türkei berichten

Suzan Gülfirat

Zwischen der EU-Kommission und dem EU-Kandidaten Türkei gibt es eine Krise. Schuld daran ist der geplante Ehebruch-Paragraph in der Türkei (wir berichteten). Der Streit darüber führte dazu, dass dort die gesamte Reform des Strafrechts gestoppt wurde. Am Donnerstag beherrschte das Thema die Titelseiten nahezu aller türkischen Blätter. „Die AKP geht einen Schritt zurück“, titelte die islamistische Tageszeitung „Vakit“ (das heißt: Passende, geeignete Zeit). Sie liegt vor allem an den Kiosken der Berliner Innenstadt aus. Vakit kritisierte mit dieser Überschrift die Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, die die Reform wegen interner Streitigkeiten gestoppt hatte. „Die allein regierende AKP tut so, als sei sie der Koalitionspartner der Sozialdemokraten.“

Am selben Tag zeigte die Zeitung Israels Ministerpräsident Ariel Sharon als blutrünstigen Vampir. Nur wenige Berliner Türken nehmen das Hetzblatt ernst. Insofern ist es wichtiger, wie andere Blätter über den Reformstreit berichteten. „Brüssel ist geschockt“, schrieb die liberale Milliyet. „Keine Amnestie bei Vergewaltigungen“, titelte die auflagenstarke Hürriyet. Die Tageszeitung führte auf, was dem Land sonst noch für Veränderungen bevorstehen. „Vergewaltigter werden bestraft, selbst wenn sie (das Opfer) heiraten.“ Weiter hieß es: „Vergewaltigung in der Ehe wird bestraft. Höhere Strafen bei Ehrenmorden. Keine Unterscheidung zwischen (unberührten) Mädchen und Frauen bei Vergewaltigungen.“ Die Zeitung Türkiye behauptete, dass der „Ehebruch-Streit“ vom Tisch sei.

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