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EHEC-Keime : Verdächtiges Gemüse seit Wochen im Supermarkt

Fünf weitere Menschen sind laut Gesundheitsverwaltung in Berlin an EHEC erkrankt. Veterinäre fordern Betriebe auf, die Ware aus Spanien zu vernichten.

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Drei der mit den gefährlichen EHEC-Erregern verseuchte Gurken kamen aus Spanien. Aus dem selben Betrieb wurden Gurken auch nach Berlin geliefert.
Drei der mit den gefährlichen EHEC-Erregern verseuchte Gurken kamen aus Spanien. Aus dem selben Betrieb wurden Gurken auch nach...Foto: afp

In Berlin sind jetzt fünf weitere Menschen an EHEC-Darmbakterien erkrankt. Laut Senatsgesundheitsverwaltung werden derzeit zwölf Patienten mit der leichter verlaufenden EHEC-Krankheit in Kliniken behandelt, zudem gibt es acht schlimme HUS-Fälle mit Nierenversagen oder Gefäßschäden. Seitdem am Montag bekannt wurde, dass es zwei Lieferungen aus dem verdächtigen spanischen Gurkenbetrieb nach Berlin und Brandenburg gab, arbeiten die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter unter Hochdruck. Gestern Abend gab zudem das Landeslabor Berlin-Brandenburg die ersten Ergebnisse von insgesamt 180 Proben bekannt, die seit Donnerstag in Berlin gesammelt werden: 27 Gemüseproben sind getestet, alle waren unbelastet.

Zuletzt gab es in Berlin neun EHEC- und sechs HUS-Patienten, jetzt sind es 12 und acht. Die meisten Betroffenen sind Frauen, einer der EHEC-Erkrankten ist unter 17 Jahre alt. Die aktuelle Meldung des europäischen Schnellwarnsystems erreichte Berlin am Samstagabend, teilte die Gesundheitsverwaltung mit. Sofort seien die Amtsleiter in den Bezirken per Mail und Diensthandy informiert worden. Es hat im Mai zweimal Lieferungen spanischer Gurken gegeben: Am 12. Mai ging eine Charge an einen Großhändler in Mitte, sagte Regina Kneiding, Sprecherin von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke). Dieser Großbetrieb hat das Gemüse bis 16. Mai weiter an Händler in ganz Berlin und Brandenburg verkauft.

An welche Läden genau die Gurken gingen, wollten weder Verwaltung noch Bezirke sagen – man wirke intern und dürfe die Betriebe laut gesetzlicher Vorschrift nicht nennen. Bei der zweiten Lieferung am 20. Mai gingen die Gurken an kleine Geschäfte und große Händler in Pankow, Reinickendorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg. In Charlottenburg-Wilmersdorf etwa waren vier Betriebe betroffen. In allen Bezirken nahmen die Veterinäre Kontakt mit den Geschäften auf, gingen vorbei, verglichen Lieferlisten mit dem Bestand – und forderten die Inhaber auf, Gemüse in den Müll zu werfen, falls noch vorhanden. Eine Pflicht für den Handel, die Gurken zum Labor zu bringen, gebe es nicht, sagte Charlottenburg-Wilmersdorfs Wirtschaftsstadtrat Marc Schulte (SPD). Allerdings brachten einige Veterinäre verdächtiges Gemüse ins Labor.

Die 2000 Gurken der ersten Lieferung seien höchstwahrscheinlich schon verzehrt, sagte Regina Kneiding von der Gesundheitsverwaltung. Es sei aber unwahrscheinlich, dass sie EHEC-Keime enthielten, da es in Berlin keinen heftigen Ausbruch wie in Hamburg gegeben habe. Von den acht stark HUS-Erkrankten haben sich laut Kneiding sechs Patienten zuvor in Norddeutschland aufgehalten. Beim Veterinäramt Friedrichshain-Kreuzberg hieß es, man kontrolliere angesichts der Lieferung vom 20. Mai jetzt, ob noch Gurken dieser Charge in Kühlregalen liegen, und mache Verbraucher auf die potenzielle Gefahr aufmerksam. Viele Geschäfte haben derzeit Gemüse aus Spanien aus dem Sortiment genommen.

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