Berlin : Ehedrama: Flucht vor dem Ehemann endete tragisch

Kerstin Gehrke

Mehrfach sprach der Angeklagte von einem "schrecklichen Unglück", das er nicht gewollt habe. Weil er überfordert und frustriert gewesen sei und die Kontrolle über sich verloren habe, sei es zu den lebensgefährlichen Verletzungen seiner Ehefrau und zum Tod seines Freundes gekommen. Die Richter des Berliner Landgerichts konnte er von dieser Version allerdings nicht überzeugen. Eduard N. habe seine Frau töten wollen, "weil sie einmal nein gesagt hatte", befanden sie gestern nach vierwöchiger Verhandlung. Wegen versuchten Mordes und Totschlags wurde der 39-jährige Bordellbetreiber zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Der gelernte Kaufmann Eduard N. ist ein Mann, der seine Ehefrau immer wieder misshandelt hat. Er warf mit einem Porzellanteller nach ihr. Die Scherben zerschnitten ihr Gesicht. Er trat sie ohne Grund und brach ihr mit der Faust das Nasenbein. Die 31-jährige Lettin Angelika war erst nach fast sieben leidvollen Jahren mit ihrem elfjährigen Sohn in ein Frauenhaus geflohen.

Die Trennung aber wollte der Angeklagte nicht akzeptieren. Wie so oft in seinem Leben wollte er mit immer größerer Wut erzwingen, was aussichtslos war. Er bat seinen Freund Mustafa R. um Hilfe. Tatsächlich arrangierte R. am 1. Januar dieses Jahres ein Treffen. Es war sein 35. Geburtstag. Der Neuköllner lud sowohl Angelika als auch ihren Ehemann zu seiner Feier ein. Als die Frau ihren Mann sah, war sie geschockt.

Dennoch kam es zu einem Gespräch. Eduard N. wollte eine Chance. "Ich bettelte sie an, bat, dass sie zu mir zurückkehren sollte", sagte der Angeklagte. Doch für Angelika N. gab es kein Zurück mehr. Da zog er eine Pistole, die er sich gleich nach der Trennung im Sommer besorgt hatte. Immer wieder drückte er ab. Fünf Schüsse trafen Angelika N. in Schulter, Leber und Niere. Sie überlebte schwer verletzt. Als Mustafa R. sie beschützen wollte, trafen ihn Schüsse tödlich.

"Inzwischen habe ich Verständnis dafür, dass meine Frau nicht mehr mit mir leben will", hatte der Angeklagte am Ende des Prozesses erklärt. Während der Urteilsverkündung saß der hagere Mann wie versteinert auf der Anklagebank. Nur manchmal zuckte er leicht zusammen. Beispielsweise als die Vorsitzende Richterin sagte, bei ihm liege "maßlose Eigensucht" vor. Weil Angelika N. standhaft geblieben sei und nicht zu ihm zurück wollte, sei der Plan gereift, die Frau zu töten. Allerdings gingen die Richter auf Grund einer manischen Depression von einer verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten aus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben