Berlin : Ehefrau bestreitet, von Bahn-Anschlägen gewusst zu haben

kf

Der erste Prozessauftakt platzte, weil der Angeklagte zu den Vorwürfen des Staatsanwaltes schwieg. Beim zweiten Anlauf brauchte das Gericht gleich mehrere Stunden für das Geständnis des mutmaßlichen Bahnerpressers. Seit vergangenem Mittwoch ist wieder alles anders: Nicht er, sagte Klaus-Peter S., sei der Drahtzieher der Anschläge, sondern seine Ehefrau.

Die 38-Jährige hat am Montag im Berliner Landgericht jegliche Verstrickung allerdings bestritten. Sie sagte, sie habe den 47-jährigen Unternehmer aus Sachsen geliebt. Seine Abwesenheit während der Anschläge habe er mit Reisen nach Brüssel und in die USA begründet. "Ich habe meinem Mann immer alles geglaubt", sagte die Friseurin. Nach der Festnahme habe sie ihn beschworen, die Hintermänner zu nennen.

Die Zeugin schien nicht kämpfen zu müssen, um das Gericht zu überzeugen. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Vorsitzende die Vorwürfe als "schwer vorstellbar" bezeichnet. Seit seiner Festnahme bei der fingierten Geldübergabe hatte Klaus-Peter S. bereits eine Reihe angeblicher Mittäter genannt, darunter ehemalige Schulfreunde und Angestellte. Anfang Oktober sagte der wegen Mordversuchs beschuldigte Unternehmer, er habe allein gehandelt. Letzte Woche brachte der Angeklagte auch drei Bekannte seiner Frau ins Spiel, die bei den Anschlägen die Schienen gelockert haben sollen. Klaus-Peter S. selbst will im wesentlichen nur noch die Erpresserschreiben verfasst haben. Die wahren Schuldigen habe er bislang nicht benannt, weil sie erheblichen Druck auf ihn ausgeübt hätten. Einer der Beschuldigten, ein 30-jähriger Kfz-Meister, beteuerte vor Gericht ebenfalls seine Unschuld. Der Mann vermutete einen Racheakt, weil er ein Verhältnis mit der Ehefrau gehabt habe. Die 38-Jährige dagegen sprach von reiner Freundschaft.

Auch die Staatsanwaltschaft hält es für wahrscheinlich, dass S. allein gehandelt hat. In der Anklageschrift heißt es, der 46-Jährige habe versucht, die Bahn AG um zehn Millionen Mark zu erpressen. Unter anderem bei Stendal soll er in der Nacht zum 8. Dezember Stendal 24 Schwellen gelockert und die Schiene angehoben, bevor ein ICE mit Tempo 250 über die Trasse raste. "Nur durch Zufall erlangte der Zug die Verbindung zur Schiene zurück, so dass es nicht zu einer Entgleisung kam", heißt es in der Anklageschrift. In seinen Erpresserbriefen hatte S. angegeben, Mitglied einer Gruppe "Freunde der Bahn" zu sein, die hinter den Anschlägen stecke.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben