Ehemaliger Flughafen : Ein Manifest für die Zukunft Tempelhofs

Ex-Senator Volker Hassemer und andere Prominente rufen den Senat zu einer umsichtigeren Planung auf. Um den Hangar 2 gibt es neuen Streit.

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Freie Rollbahn. Bis der ehemalige Flughafen in Tempelhof ein Landschaftspark geworden ist, werden Jahre vergehen. Auch für die Randbebauung gibt es noch keine konkreten Pläne. Fachleute appellieren an den Senat, sich mit der Entwicklung des Geländes Zeit zu lassen, statt vorschnell vollendete Tatsachen zu schaffen. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Freie Rollbahn. Bis der ehemalige Flughafen in Tempelhof ein Landschaftspark geworden ist, werden Jahre vergehen. Auch für die...

Während die Anwohner zu Zehntausenden die neue Tempelhofer Freiheit nutzen, diskutieren Politiker, Stadtplaner und Wirtschaftsleute verstärkt, was aus dem riesigen Gelände des früheren Flughafens werden soll. Einen neuen Beitrag liefert ein von vielen Prominenten unterschriebenes „Manifest“. Der dreiseitige Aufruf wendet sich vor allem gegen die bisherige Art der Planung.

Im Kern lässt sich die Botschaft so zusammenfassen: Bitte nicht durch voreiliges Klein-Klein die Chance auf einen späteren großen Wurf verbauen! Das Manifest fordert stattdessen, sich Zeit zu nehmen, um verschiedene „mögliche Zukünfte“ zu entwickeln. Als Leitidee wird „der Traum vom Fliegen“ vorgeschlagen – und als denkbare thematische Vertiefung das Verhältnis von Mensch und Technik im 21. Jahrhundert. Konkret könnte das von der Max-Planck-Gesellschaft vorgeschlagene „Zentrum zur Vermittlung von Forschung und Wissenschaft“ in Tempelhof angesiedelt werden, schreiben die Unterzeichner. Zu ihnen gehören beispielsweise der frühere Charité-Chef Detlev Ganten, Unternehmensberater Roland Berger, Stararchitekt Volkwin Marg, der ehemalige Präsident der Bundesbaudirektion, Florian Mausbach sowie der frühere Berliner Senator Volker Hassemer von der Stiftung Zukunft Berlin.

Hassemer sagte dem Tagesspiegel, die Initiatoren wollten aus dem Manifest „eine Grundsatzdiskussion machen“ und die Art der bisherigen Planung infrage stellen, bevor das Gelände gemäß der Senatslinie für Nutzungen vermarktet wird, die ebenso gut anderswo möglich wären. Deshalb richte sich das Papier zugleich an die Geschäftsführer der Adlershofer Wista-Management-Gesellschaft, die künftig auch die Perspektive für Tempelhof entwickeln soll.

Parallel dazu läuft die Senatsplanung weiter. Am Mittwoch will Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die Zwischenergebnisse des Anfang März ausgerufenen Wettbewerbes „Parklandschaft Tempelhof“ präsentieren. 78 Architekten- und Planerteams haben nach Auskunft der Stadtentwicklungsverwaltung daran teilgenommen. Etwa sechs von ihnen sollen aufgerufen werden, ihre Konzepte für die nächste Runde zu verfeinern.

Ideen für Tempelhof
So könnte es aussehen: Die vom Senat veröffentlichte städtebauliche Rahmenplanung aus der Vogelperspektive.Weitere Bilder anzeigen
1 von 21Foto: Senat
31.10.2007 23:40So könnte es aussehen: Die vom Senat veröffentlichte städtebauliche Rahmenplanung aus der Vogelperspektive.

Das Manifest erstreckt sich nicht nur auf die Freifläche, sondern auch auf die Immobilie. Um die gibt es Streit zwischen dem „Eventcenter“ im Hangar 2 und der landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM, die das Objekt vermietet. Eventcenter-Chef Andreas Grunszky sagte, nach der Entscheidung für die Modemesse Bread and Butter sei zunächst sein zehnjähriger Mietvertrag gekündigt worden. Nun habe er einen einjährigen Vertrag, der eigentlich schon Mitte Mai um ein weiteres Jahr verlängert werden sollte. Durch die Unsicherheit „geht uns Geschäft verloren, denn die Saison 2011 hat begonnen“, sagte er. Das schade auch dem Land, denn laut einer eigenen Studie erwirtschafte der Hangar 2 für Berlin mehr als 60 Millionen Euro Umsatz und 1,5 Millionen Euro Steuern jährlich. Mit der Bread and Butter, die das gesamte Objekt zwei Monate im Jahr belegt, habe man sich gut arrangiert, aber jetzt gerate das Unternehmen in Gefahr.

BIM-Sprecherin Katja Potzies bestätigte, dass die Entscheidung noch aussteht. Sie bezeichnete es als „eine Frage der Wirtschaftlichkeit“, die Perspektiven der Immobilie nicht durch allzu langfristige Mietverträge zu blockieren. Ob auch die BIM an dem im Manifest geforderten „großen Wurf“ mitwirken soll, wird die Diskussion der nächsten Wochen und Monate zeigen.

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