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Ehemaliges Buga-Gelände Berlin : So schön ist der Britzer Garten

Vor 30 Jahren begann die Bundesgartenschau in Neukölln. Was blieb: der Britzer Garten. Ein Treffen mit Fans und denen, die ihn so schön machen. Am Samstag, 27. Juni, wird gefeiert.

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Idylle zwischen Blumen und Obstbäumen: Im Britzer Garten lässt es sich aushalten.
Idylle zwischen Blumen und Obstbäumen: Im Britzer Garten lässt es sich aushalten.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Im Frühsommer 1985 wurde der Britzer Garten eröffnet, im Juni 2015 wird groß gefeiert - mit einem Fest und einem Feuerwerk am Samstag, 27. Juni, wie die Veranstalter mitteilten. Lesen Sie hier, wer sich um den Garten kümmert und wer ganz verzaubert ist.

Die Stammkundin

Angela Lorenz sitzt auf der Bank ihres Vaters, blickt auf den See und kann sich nicht entscheiden. Verabredet war ein Spaziergang zu ihrem Lieblingsort im Britzer Garten. Jetzt schwärmt sie vom See, der ihr samt der markant gezackten Brücke zu Füßen liegt. Aber hinter ihr würde sich ebenso die Tulpenschau lohnen, in der ihre Familie ein Beet sponsert. Geradeaus käme sie zu den Kirschbäumen am Sangerhauser Weg, mit einem Marsch auch zum Rhododendronhain im Südosten des Parks. Der Weg dorthin führte am Rosengarten vorbei, der sich aber erst im Sommer lohnt.

Interessant findet Lorenz auch die Geschichte der Seeterrassen, zumal sie dabei war, als 1985 die Lehmfüllung aus dem frisch gegossenen Beton-Iglu geschaufelt wurde, so dass ein Restaurant daraus werden konnte. Nun gibt sie sich einen Ruck, läuft ostwärts am See entlang und bleibt immer wieder stehen: „Dieser Farbkontrast aus dem alten Schilf und dem blauen Wasser und dem frischen Grün! Das Schattenmuster von dem Baum da hinten auf dem Rasen! Und da, die gelben Tupfen im Gras!“

Die so gelobten Osterglocken wiegen sich im Wind, ein adipöser Karpfen schaut kurz nach dem Rechten und taucht wieder ab. „Wir haben ja damals für jeden Fisch und jede Ente eine Pressemitteilung herausgegeben“, sagt die 68-Jährige, die damals Pressesprecherin der Buga war. Als solche begann der Britzer Garten vor 30 Jahren.

Die Stammkundin Angela Lorenz.
Die Stammkundin Angela Lorenz.Foto: Stefan Jacobs

Lorenz erinnert sich, wie sie an jenem 26. April 1985 Blümchen aus dem Schnee geschaufelt haben, damit Richard von Weizsäcker und Eberhard Diepgen bei der Eröffnung etwas Blühendes sehen. Seitdem zeigt der Park, wie man mit zunehmendem Alter immer schöner werden kann. Angela Lorenz ist längst in Rente, Dauerkartenbesitzerin und mehrmals wöchentlich hier.

Oft trifft sie Familie und Freunde an der Bank, die sie ihrem Vater zum 90. geschenkt hat, oder am Tulipan-Beet. „Hier waren ja nur Kleingärten und Felder“, sagt sie. „Die größeren Bäume haben wir aus Westdeutschland geholt. Wenn man sich überlegt, dass das alles künstlich ist: die Seen, die Berge, alles“, sagt sie und lässt den Satz wirken. Sie sei denen dankbar, die den Britzer Garten zu dem machen, was er heute ist. Sie habe viele Parks ausprobiert, auch die Gärten der Welt in Marzahn. Aber am Ende kommt sie doch immer wieder hierher.

Die Seeterrassen mit dem Beton-Iglu, dessen Bau Angela Lorenz beobachtet hat.
Die Seeterrassen mit dem Beton-Iglu, dessen Bau Angela Lorenz beobachtet hat.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Wassermann

Maik Röhrdanz trifft man am besten am „Katastrophenbrunnen“, jenen verknäulten tropfenden Rohren, die Kunst sind, aber von manchen für eine Havarie gehalten werden. Weniger beachtet wird das Pumpenhaus dahinter. Röhrdanz, Installateur und zuständig für „alles, was mit Wasser und Metall zu tun hat“, öffnet die Tür zum Pumpenhaus, dessen Keller voll Wasser steht. Ein Rechen holt das Grobe aus dem angesaugten Wasser vom nahen See, manchmal auch Kröten und Krebse. Die trägt Röhrdanz dann zurück. Das Seewasser läuft weiter durch eine Filtertrommel und wird von den Pumpen in halbmeterdicke Rohre gedrückt: 480.000 Kubikmeter im Jahr.

Der Wassermann Maik Röhrdanz.
Der Wassermann Maik Röhrdanz.Foto: Stefan Jacobs

Das entspricht dem Verbrauch von 12.000 Durchschnittsberlinern. Der Unterschied: Im Britzer Garten bilden mehr als zwei Drittel dieses Wassers einen lokalen Kreislauf; der Rest wird zum Gießen verbraucht. Pumpen im Park fördern das Wasser, Sensoren erkennen den Bedarf von Rasen und Rosen. Viele Anpflanzungen sind aber nur per Schlauch von einem der 250 Unterflurhydranten aus zu wässern. Man merkt manchen Dingen an, dass sie 30 Jahre alt sind, sagt Röhrdanz, der bei Bedarf auch die Tiere im Park füttern oder in der Tischlerei aushelfen kann, denn die Personaldecke ist dünn. Größtes Problem allerdings sind Besucher, die nicht ganz dicht sind: „In einem Jahr habe ich 60 Klobrillen gewechselt“, erzählt er. „Teilweise waren die am nächsten Tag wieder kaputt.“ Also wurden die Klobrillen abgeschafft.

Rote Tulpen leuchten hier um die Wette.
Rote Tulpen leuchten hier um die Wette.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Chef

„Bei einer Buga muss man das Nachnutzungskonzept schon in der Tasche haben“, sagt Christoph Schmidt. Als Chef der Grün Berlin GmbH erarbeitet er zurzeit das Nachnutzungskonzept für die IGA 2017 in Marzahn. Das von renitenten Hundebesitzern anfangs tatkräftig bekämpfte Hundeverbot wurde durchgesetzt, so dass die Wiesen kein vermintes Terrain sind. Das im Nachhinein gelockerte (Lauf-)Radfahr- und Rollerverbot freut Kinder und Eltern, der Eintritt sichert dem Park Wertschätzung und den Betreibern, dass sie ihn pflegen können.

Der Chef Christoph Schmidt.
Der Chef Christoph Schmidt.Foto: Stefan Jacobs

Bleibt die Frage, welches Naturtalent den Garten so arrangiert, dass er so reizend aussieht. Parkleiterin Gabriele Kleuvers macht eine Bewegung, als würde sie einen Haufen Blumenzwiebeln hochwerfen, und sagt, die Landschaftsgärtnerin, die „Tulipan“ arrangiert, sei klasse. Die Grün Berlin hat keine eigenen Gärtner, sondern koordiniert die Arbeit externer Firmen. Alles eingespielt. Was Schmidt und Kleuvers umtreibt, ist der Kampf um jüngeres Publikum: Wer aus dem Klettergerüst-Alter raus ist, kommt womöglich erst als Rentner wieder.

Die Lücke dazwischen ließe sich mit mehr Wellness – einen Kneipp-Pfad gibt es schon – oder Sportmöglichkeiten wie Beach-Volleyball füllen. Kostet aber Geld und schlimmstenfalls Akzeptanz bei der Stammkundschaft, die das Gros des Geschäfts ausmacht und den tüchtigen Förderverein dominiert.

Beliebtes Ausflugsziel für alle Altersgruppen: die Seeterrassen im Britzer Garten.
Beliebtes Ausflugsziel für alle Altersgruppen: die Seeterrassen im Britzer Garten.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Auch das Thema Badebetrieb habe man nach intensiver Prüfung verworfen: Dann wären nämlich bei Sommerwetter alle auf einmal gekommen, hätten Duschen und Bademeister gebraucht und womöglich Wachschutz wie die Sommerbäder, wer weiß. Also bleiben die dicken Karpfen unter sich.

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