Ehemaliges DDR-Rundfunk-Gelände : Reederei Riedel zieht nach Oberschöneweide

Die Reederei Riedel verlässt Kreuzberg und zieht auf das Gelände des ehemaligen DDR-Rundfunks an der Nalepastraße in Oberschöneweide.

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Die Reederei Riedel verlässt den Urbanhafen und baut den neuen Firmensitz samt Hafenbecken auf dem Gelände des DDR-Rundfunks an der Nalepastraße in Oberschöneweide. Teile des Bodens sind verseucht und werden zurzeit saniert.Alle Bilder anzeigen
Foto: Davids
14.09.2010 12:35Die Reederei Riedel verlässt den Urbanhafen und baut den neuen Firmensitz samt Hafenbecken auf dem Gelände des DDR-Rundfunks an...

Es tut sich etwas auf dem skandalumwitterten Grundstück des DDR-Rundfunks in Oberschöneweide. Die Reederei Riedel verlässt den Urbanhafen in Kreuzberg und baut ihren neuen Firmensitz mit Hafenbecken und zwei Mietshäusern an der Nalepastraße. Weil ein Teil des 41 000 Quadratmeter Geländes mit Mineralölen und Kraftstoffen verseucht ist, saniert das Unternehmen das Gelände derzeit. Auf 13 500 Quadratmetern wird kontaminierter Boden ausgehoben. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf knapp zehn Millionen Euro, sagte Geschäftsführer Lutz Freise. An der Investition habe man noch die nächsten 20 Jahre zu knabbern.

Freise sah sich gezwungen, Kreuzberg zu verlassen, weil die Schiffe den Landwehrkanal wegen der Sanierung nur eingeschränkt befahren können. Zudem habe der Bezirk neue Bootsanleger an der Spree verweigert. Die fünf Schiffe, die bisher nachts in Kreuzberg, Friedrichshain und Mitte liegen, sollen ab Mitte 2011 das 11 400 Quadratmeter große Hafenbecken an der Nalepastraße anfahren. Den Winter sollen künftig alle 14 Schiffe dort verbringen.

Der DDR-Rundfunk nutzte das Gelände an der Nalepastraße 10-16 von 1981 bis 1990. Zuvor war es seit Ende des 19. Jahrhunderts Umschlagplatz für Heizöle und Kraftstoffe. Dabei drangen gefährliche Stoffe in den Boden und ins Grundwasser. Vor und nach der Sanierung wird die Kontamination des Grundwassers an 15 Messstellen überwacht. Das Grundstück an der Nalepastraße war in die Schlagzeilen geraten, als es im Herbst 2005 für den Spottpreis von 350 000 Euro von der Liegenschaftsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Limsa) verkauft wurde. Eigentümer waren das Land Berlin und die neuen Bundesländer. Experten schätzten den tatsächlichen Wert auf mehr als 20 Millionen Euro. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Betrug und Untreue.

Das Gelände wurde in drei Bereiche geteilt. Einer gehört nun der Reederei Riedel. Das Grundstück mit dem Hauptgebäude des DDR-Rundfunks kaufte der israelische Investor Albert Ben David im Herbst 2006 für 3,4 Millionen Euro. Dort plant er die „Music Factory“. Schon jetzt sind Musikstudios und Proberäume für Bands im Haus. Ben David plant außerdem Restaurants und Bars entlang der Spree, Rundfunkmuseum, Bootsanleger sowie das Vermieten von Zimmern an Hersteller von Musikinstrumenten. Der dritte Teilbereich gehört Frank Thiele, der dort ein Logistikzentrum und einen Fuhrpark baute. Ein „Gewerbezentrum mit Forschungshintergrund“ ist nach den Angaben von Sohn Nico in Planung, Konkretes kann er aber nicht berichten.

Beim zukünftigen Sitz der Reederei Riedel wird sich nach den Bauarbeiten ebenfalls noch einiges tun. 15 000 Quadratmeter freie Flächen sind noch an Investoren zu vergeben. Die Ideen reichen von Strandbars – Freise führt bereits Gespräche mit Betreibern von innerstädtischen Strandclubs – bis zu Lagerräumen, Winteranlegern für Yachten oder einen Laden für Wassersportler. Eine eigene Werft ist nicht vorgesehen. Entlang des 220 Meter langen Ufers will Freise einen Wanderweg gestalten, die Hafeneinfahrt wird deshalb eine klappbare Brücke überspannen. Der Wanderweg ist Teil eines geplanten Weges von der Stralauer Halbinsel bis nach Köpenick entlang der Spree. Noch gebe es Probleme mit Grundstücksbesitzern zu klären.

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