Ehepaar getötet : Gab Ex-Schwiegersohn Doppelmord in Auftrag?

Sie schrien noch um Hilfe, doch es war zu spät: Als die Beamten in die Rudower Erdgeschosswohnung eindrangen, lag das Rentnerpaar erstochen in einer Blutlache. Die Polizei vermutet einen familiären Hintergrund der grausigen Tat.

Tanja Buntrock
Neukölln
Die Ermittler sichern vor Ort Spuren und Beweismaterial. -Foto: dpa

Den Polizisten, die Freitagmorgen in eine Wohnung in die Rudower Druckerkehre gerufen wurden, bot sich ein grausiges Bild: Inmitten voller Blut lagen dort der 64-jährige Herbert R. und seine zehn Jahre ältere Frau Ursula Sch. Das Paar, das seit mehr als 30 Jahren in der Erdgeschosswohnung gelebt hatte, wurde erstochen. Nach Tagesspiegel-Informationen soll die Tat einen familiären Hintergrund haben. Die Ermittler schließen nicht aus, dass der türkische Ex-Schwiegersohn hinter dem Mord steckt. Offenbar hatte er einen Komplizen beauftragt, die Rentner zu töten.

Der Mörder ist bislang flüchtig. Er entkam über die Balkonbrüstung ins Freie. Über den Balkon soll er auch zuvor in die Wohnung gelangt sein. Die Spurensicherung arbeitete bis in den Abend am Tatort. Auch Spürhunde wurden eingesetzt. Da die Ermittler davon ausgehen, dass sich Blut der Opfer an der Kleidung des Täters befindet, wurden die drei belgischen Schäferhunde „Leica“, „Largo“ und „Duke“ eingesetzt, um die Fährte aufzunehmen. Bislang blieb die Suche nach dem Mörder jedoch erfolglos. Auch die Tatwaffe fehlt.

Gegen 8.40 Uhr hatten Nachbarn Hilfeschreie aus der angrenzenden zweieinhalb Zimmerwohnung im Erdgeschoss gehört und die Polizei gerufen. Doch für die Rentner kam jede Hilfe zu spät. Da schnell klar war, dass in der Wohnung der Rentner nichts fehlte, richteten sich die Ermittlungen der Mordkommission gestern rasch auf das familiäre Umfeld der Toten.

Nach Tagesspiegel-Informationen soll der Ex-Mann von Ursula Sch.s Tochter hinter der Tat stecken. Sie hatte sich von dem Türken getrennt, weil sie einen anderen Mann kennen lernte. Der Ex-Mann soll aus Eifersucht Anfang des Jahres ihren neuen Freund im Streit niedergestochen haben. Vor Zeugen soll der Ex-Mann zudem gerufen haben: „Ich rotte die ganze Familie aus.“ Da der Mann in Haft sitzt, sei nach Angaben der Ermittler nicht ausgeschlossen, dass er einen Komplizen beauftragt hat, seine ehemaligen Schwiegereltern Herbert R. und Ursula Sch. zu töten.

Ein Nachbar, der eng mit Herbert R. befreundet war, wusste gestern ebenfalls von den familiären Streitigkeiten zu berichten. Er sagte, der Ex-Schwiegersohn sei bei dem Angriff auf den neuen Freund nicht allein gewesen. Sein 18-jähriger Sohn aus einer früheren Beziehung soll ebenfalls dabei gewesen sein und das Opfer zusätzlich mit einem Baseballschläger traktiert haben. Von diesem Verdacht weiß auch die Polizei. Ob es allerdings eine Verbindung zwischen dem 18-Jährigen und dem Verbrechen an den Rentnern gibt, war aus Polizeikreisen nicht zu erfahren. „Wir ermitteln“, hieß es dort gestern.

Die Nachbarn aus den umliegenden Wohnungen waren schockiert über den Doppelmord in ihrem Haus. Sie beschrieben das Paar als sehr freundlich und hilfsbereit. Die ehemalige Krankenschwester Ursula Sch. war nach mehreren Operationen stark gehbehindert und auf einen Rollator angewiesen. Ihr geschiedener Mann Herbert, mit dem sie seit Jahren wieder zusammen lebte, sei Rentner und habe früher als selbständiger Kabelverleger gearbeitet. Beide hätten sich mit Hingabe um ältere Leute aus der Nachbarschaft gekümmert. Tanja Buntrock

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