Berlin : Eher werden mit Millionenaufwand Bahnsteige verschwenkt statt Bushaltestellen verlegt

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Verkehrte Verkehrspolitik. Auf der einen Seite werden Bahnhöfe mit einem Millionenaufwand an Kosten verschoben, um Fahrgästen beim Umsteigen kurze Wege anbieten zu können, auf der anderen Seite scheitern billige Maßnahmen mit einem ähnlichen Effekt in den Wirren der Verwaltung. Jüngstes Beispiel ist der am 19. Dezember wiedereröffnete S-Bahnhof Beusselstraße. Dort wurde der Bahnsteig so verlegt, dass es Zugänge von beiden Seiten der Beusselbrücke gibt. Die Busse jedoch halten weiter in der einen Richtung 150 Meter entfernt vom Bahnhofseingang, in der anderen Richtung sind es immerhin noch 70 Meter. Das Einrichten einer Haltestelle scheitert bisher am "falschen" Fahrbahnbelag auf der Brücke, der nicht ausgetauscht worden ist.

Nach Ansicht des Fahrgastverbandes IGEB ist dies typisch für Berlin. Die Situation an der Beusselstraße ist nämlich kein Einzelfall. Auch nach der Eröffnung des U-Bahnhofes Hermannstraße in Neukölln vor drei Jahren mussten Fahrgäste beim Umsteigen von und zum Bus zunächst weite Wege zurücklegen, weil es auf der Brücke ebenfalls keinen Fahrbahnbelag gab, der das Bremsen und Anfahren der Busse aushielt. Er wurde erst nachträglich angebracht. Jens Wieseke von der IGEB forderte gestern, auch am S-Bahnhof Beusselstraße die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Busse in beiden Richtungen direkt am Bahnhof halten können.

Häufig scheitert das Verlegen einer Haltestelle aber auch, wenn keine großen baulichen Änderungen erforderlich sind. Am S-Bahnhof Witzleben dauerte es fast zehn Jahre, ehe die Busse auf der Ostpreußenbrücke direkt vor dem Eingang zum Bahnhof halten konnten. Lange Wege gibt es nach wie vor zum Beispiel auch an den S-Bahnhöfen Eichkamp, Frankfurter Tor, Friedrichstraße, Frohnau, Lichterfelde West, Papestraße, Priesterweg oder Treptower Park. Beim S-Bahnhof Tegel befinden sich Bezirksamt und BVG nach Angaben von BVG-Sprecherin Barbara Mansfield immer noch in der Gesprächsphase, um Bushaltestellen zum Bahnhof verlegen zu können. Sie liegen derzeit mehrere hundert Meter vom Bahnhof entfernt, an dem seit 1995 wieder Züge halten.

Schneller geht es mit dem Verlegen einer Haltestelle dagegen, wenn der Wunsch aus der "hohen" Politik kommt. Vor dem Lustgarten in Mitte rückt die BVG im nächsten Jahr das Wartehäuschen um ein paar Meter Richtung Dom, weil am jetzigen Standort nach Ansicht von Staatssekretär Hans Stimmann die Sichtachse aufs Alte Museum von Schinkel gestört wird.

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