Ehrenamt : Engel auf Zeit

Stiftungen wie die "Gute Tat" vermitteln Ehrenamtliche in befristete Projekte. Viele Menschen wollen oder können nicht einem Verein beitreten oder verbindliche Aufgaben übernehmen. Um die hohe Zahl an Bereitwilligen einzubinden, sind diverse Ehrenamtsagenturen entstanden.

Ferda Ataman/Anna Sauerbrey
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Freundliche Helfer. Die „Gute Tat“ vermittelt Aufgaben: Malen mit Kindern, Backen mit Senioren, Gartenarbeit, Tierpflege in der...

Sabine Lanzendorf ist ein ziemlich typischer „Engel“: eine Frau und gut ausgebildet. Damit vereint sie schon zwei soziale Merkmale des durchschnittlichen Ehrenamtlichen. Mit ihren 45 Jahren ist sie zwar noch etwas zu jung – viele engagieren sich erst nach der Pensionierung. Aber an diesem Montagabend trifft man sie ja auch in einem kleinen Konferenzraum in der Zinnowitzer Straße, beim Informationsabend der Ehrenamtvermittlung „Gute Tat“. Hier seien die Interessenten jünger als sonst, erklärt Jürgen Grenz, Vorsitzender und Gründer der Stiftung Gute Tat.

Menschen wie Sabine Lanzendorf in zeitlich begrenztes ehrenamtliches Engagement zu vermitteln, ist das Hauptgeschäft der Stiftung. „Heute ein Engel“ nennt Grenz das Projekt. Mobilisiert werden Menschen, die sich aus beruflichen oder privaten Gründen nicht dauerhaft einbringen können, aber trotzdem etwas tun wollen. Denn häufig wird auch kurzfristige oder einmalige Hilfe benötigt. Manchmal wird nur jemand gebraucht, der mal zum Schachspielen vorbeischaut, Lebensmittel für eine Suppenküche in seinem Auto transportiert oder sich einer Renovierungsaktion anschließt. Häufig wird daraus doch mehr, sagt Grenz.

Die Motive der Menschen, die an diesem Abend gekommen sind, sind recht unterschiedlich. Sabine Lanzendorf hat von ihrem Arbeitgeber das Angebot erhalten, für ehrenamtliches Engagement freigestellt zu werden. Wolfgang Ristau, der ebenfalls an diesem Montagabend gekommen ist, ist vor einem Jahr in Pension gegangen und sucht nun nach einer Beschäftigung. Ebenso geht es einem jungen Arbeitslosen, auch er will etwas Sinnvolles tun.

Viele Menschen wollen oder können nicht einem Verein beitreten oder verbindliche Aufgaben übernehmen. Um die hohe Zahl an Bereitwilligen einzubinden, sind diverse Ehrenamtsagenturen entstanden. „Wir haben neue Wege gesucht, um die Leute anzusprechen“, sagt Oswald Menninger vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Interessierte können im Internet nach Angeboten suchen, die zu ihnen passen. Neben „Gute Tat“ vermittelt auch der Senat unter dem Motto „Bürgeraktiv“ flexible Wohltaten. Es gibt Ehrenamtsbörsen zum Schnuppern und unverbindliche Fortbildungen für Hilfswillige an der Paritätischen Bundesakademie.

Das Ehrenamt, wie es auch von „Gute Tat“ verstanden wird, ist professionalisiert. Die Betreuung übernehmen oft Ehrenamtmanager. Unternehmen schaffen Freiräume für das soziale Engagement ihrer Mitarbeiter – wie bei Sabine Lanzendorf. Mitarbeiter von Sony Europe haben beim Ehrenamtstag in einem Kinderheim in Hermsdorf Räume gestrichen oder Computer eingerichtet, Coca Cola schenkt Mitarbeitern zum Geburtstag einen Tag Zeit im Ehrenamt.

Den Eindruck von Professionalität gewinnt man auch bei „Gute Tat“: Jürgen Grenz sieht mit seinem blauen Hemd und der Brille mit dem schmalen Goldrand fast aus wie ein Banker. Bei ihm könnte jeder eine Aufgabe finden: Eine Frau, die gut Flamenco tanzen kann, wurde durch die Vermittlung von „Gute Tat“ zum Star des spanischen Abends in einem Altenheim. Jungpensionär Wolfgang Ristau möchte in Kindertagesstätten bei Reparaturen aushelfen. Sabine Lanzendorf kümmert sich künftig um Mensch und Tier: Sie wird Hilfsbedürftige in den Zoo begleiten. Ferda Ataman/Anna Sauerbrey

Infoabend der Stiftung Gute Tat, montags, 18.30 Uhr, Zinnowitzer Straße 1.

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