Berlin : Ehrenamt: "Mein Engagement hilft mir bei Bewerbungen"

Annette Kögel<br><br>"Kifr

Viel hilft viel, sagt eine Bauernregel. Bei sozialen Projekten stimmt das sogar. Viele Einrichtungen brauchen ehrenamtliche Helfer. Bis zum Berliner Freiwilligentag am 16. September, den der Treffpunkt Hilfsbereitschaft und der Paritätische Wohlfahrtsverband organisieren, wollen wir möglichst viele Menschen dafür gewinnen, sich als Helfer ohne Honorar zu engagieren. In den kommenden Wochen stellt der Tagesspiegel Berliner vor, die sich ehrenamtlich für andere einsetzen. Sie erzählen, was sie geben wollen und was ihnen ihr Ehrenamt gibt. Omar Ibrahim ist erst 21 Jahre jung - aber als Ehrenamtlicher bei der "Kifrie-Jugendetage" in Schöneberg schon ein alter Hase.

Schöneberg. Bei mir sind zwei Klassenkameradinnen schuld. Die haben mich als Drittklässler mal in eine Spielgruppe zum Nachbarschaftsheim mitgeschleppt - das war mein erster Kontakt. Jahre später sprach mich ein Freund an, seine Band suchte noch jemanden, der Bass spielt. Okay, dachte ich: warum nicht? Wir haben dann zuerst für das Musical "Die Sharks und die Show" in der Akademie der Künste geprobt und danach die "Kifrie Sunshine Showband" gegründet. "Kifrie" setzt sich übrigens aus den Wörtern Kinder und Friedenau zusammen. Viele denken, das hat mit Kiffen zu tun - aber keine Angst. In unseren Probenraum, das kleine Studio, das Café mit dem Aquarium und das Computerzimmer kommen immer so 120 Kinder und Jugendliche aus dem Kiez, und ich kümmere mich als Ehrenamtlicher um den Bereich Musik. Früher war ich aber auch mal als Koch bei einer Fahrt dabei. Jetzt leite ich eine Trommelgruppe für die Kleinen. Die sollen lieber so kräftig auf die Pauken hauen als anders. Wir haben auch schon drei Mal am Karneval der Kulturen teilgenommen. Außerdem helfe ich beim Organisieren von Straßenfesten in der Nachbarschaft, und gerade habe ich ganz gut mit der Vorbereitung unseres Bühnenauftritts beim Berlin-Marathon zu tun. Da wollen wir die Läufer mit Titeln wie "I will survive" anfeuern. Ich kümmere mich zum Beispiel darum, dass der Zeitplan eingehalten wird. So was macht nicht gerade Spaß, aber es ist eben wichtig, zuverlässig zu ein. Klar, ein Ehrenamt macht man nicht nur, weil man was geben will, sondern auch, weil man etwas kriegt. Ich kann hier die Instrumente mitbenutzen, Songs aufnehmen, lerne Leute kennen. Ich ärgere mich total darüber, dass uns jetzt Zuschüsse gekürzt werden sollen. Ich übe gerade für die Aufnahmeprüfung an der HdK und der Hanns-Eisler-Musikschule, ich will Jazz studieren. Meine Ehrenamts-Auszeichnungen haben mir schon geholfen - ich bin ja zum Beispiel Ehrenbürger Schönebergs. Die Unterlagen hefte ich dann - zack - hinten ran, wenn ich mich irgendwo bewerbe. Mein Vater ist Ägypter, meine Mutter Deutsche, und bei dem arabischen Namen Omar Ibrahim gehen bei manchen gleich die Jalousien runter. Neulich wollte mir eine Firma noch nicht mal einen Handy-Vertrag geben, wo ich doch noch nie mein Girokonto überzogen habe. Meine Auszeichnungen schicke ich auch mit ein, wenn ich mich für eine Wohnung bewerbe. Ich möchte gern ausziehen, aber am liebsten in Schöneberg bleiben. Wenn die "Kifrie"-Leute anrufen, kann ich dann in fünf Minuten da sein.

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