Ehrenamt : Neues Kapitel für Bibliotheken

Die derzeit ehrenamtlich betriebenen Bibliotheken sind offenbar vorerst gerettet: Hauptberufler springen übergangsweise ein.

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Vor dem Neuanfang. Besetzung der Tucholsky-Bibliothek Ende 2007. Foto: Thilo Rückeis

Wegen datenschutzrechtlicher Bedenken zu den Zugriffsrechten der ehrenamtlichen Mitarbeiter sollten die Kurt-Tucholsky-Bibliothek in Prenzlauer Berg und die Thomas-Dehler-Bibliothek in Schöneberg vom Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) zum 29. Juni abgekoppelt werden, was praktisch ihr Aus bedeutet hätte. Nach Auskunft des Datenschutzbeauftragten Alexander Dix hat der Bibliotheksverbund nun eine Lösung gefunden. Die geplante Software-Umstellung könne sich allerdings bis 2010 hinziehen. In der Zwischenzeit sollen beide betroffenen Bibliotheken je eine hauptamtliche Kraft erhalten. „So weit ich weiß, sind die Kräfte mit sofortiger Wirkung zugeteilt“, sagte Dix. Der Sprecher des Vereins „Pro Kiez“, der die ehrenamtliche Arbeit in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek seit Ende 2007 organisiert, sagte: „Ohne diesen Ausweg hätten wir definitiv schließen können, weil die Ausleihverbuchung über das VÖBB-System läuft.“

Die Kurt-Tucholsky-Bibliothek im Bötzowviertel sollte – ebenso wie die bezirkliche Bibliothek im Eliashof – zum Jahresbeginn 2008 geschlossen werden. Pankows Kulturstadtrat Michail Nelken (Linke) hatte zur Begründung erklärt, ihm fehlten 800 000 Euro im Etat. Daraufhin besetzte die Bürgerinitiative „Pro Kiez“, unterstützt von Kindern und prominenten Autoren wie Thomas Brussig, das Bibliotheksgebäude an der Esmarchstraße. Tatsächlich gelang es, die Schließung nach wenigen Monaten rückgängig zu machen. Im April 2008 konnte der aus der Initiative hervorgegangene Verein „Pro Kiez“ die Bibliothek mit ehrenamtlicher Hilfe in Eigenregie wieder eröffnen. Eine Bibliothekarin für den Übergang ist nun gefunden. „Eine Mitarbeiterin des Bezirksamtes, die bisher anderswo im Einsatz war, hat einer Tätigkeit in der Tucholsky-Bibliothek zugestimmt“, sagte Matthias Zarbock, Fraktionsgeschäftsführer der Linken in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung. fet/wek

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