• Ehrenamt: Robin Food: Hans-Hermann Keune sammelt an üppigen Büfetts ein, was übrig bleibt, und verteilt es an Obdachlose

Berlin : Ehrenamt: Robin Food: Hans-Hermann Keune sammelt an üppigen Büfetts ein, was übrig bleibt, und verteilt es an Obdachlose

Amory Burchard<br><br>Die Berli

Viel hilft viel, sagt eine Bauernregel. Bei sozialen Projekten stimmt das sogar. Viele Einrichtungen brauchen ehrenamtiche Helfer. Bis zum Berliner Freiwilligentag am 16. September, den der Treffpunkt Hilfsbereitschaft und der Paritätische Wohlfahrtsverband organisieren, wollen wir möglichst viele Menschen in dieser Stadt dafür gewinnen, sich als Helfer ohne Honorar zu engagieren. In den kommenden Wochen stellt der Tagesspiegel Berliner vor, die sich ehrenamtlich für andere einsetzen. Sie erzählen, was sie geben wollen und was ihnen ihr Ehrenamt gibt. Der 35-jährige Synchron-Cutter Hans-Hermann Keune engagiert sich bei der Berliner Tafel. Er sammelt nicht verkauftes Brot, Kuchen und Reste von Bufetts und verteilt sie an Obdachlose.

Ich bin ein Mensch, der nichts wegschmeißen kann. Jedenfalls kein Essen. Im Supermarkt nehme ich oft die Milch oder die Jogurts, die knapp vor dem Verfallsdatum stehen. Ich weiß, es kauft sonst niemand mehr, und der Laden wirft es dann weg. Vor acht Jahren las ich in einer Zeitung über die Arbeit der Berliner Tafel. Beim ersten Infoabend habe ich gleich meine Brot-Tour bekommen, und die mache ich immer noch. Jeden Dienstag fahre ich zu zwei Bäckereifilialen in Moabit. Früher hat der Bäcker nach Ladenschluss alle Reste entsorgt. Der Bäckerin fiel das auch schwer, und sie hat jedes Kuchenstück vorher angebissen. Seitdem wir ihr die Reste abnehmen, ist sie schlanker geworden.

Wenn ich mit dem Wagen voller Backwaren im Übernachtungsheim in der Franklinstraße oder bei der Bahnhofsmission am Zoo ankomme, springen gleich ein paar Wohnungslose von den Tischen auf, um mit anzupacken. Sie suchen eine Aufgabe, das ist eine sehr positive Sache. Der Kuchen ist bei ihnen ohnehin sehr beliebt. Vor allem die Drogenabhängigen haben große Lust auf Süßes. Die Einrichtungen freuen sich über Kuchen, weil sie ihn einfach ausgeben können und damit keine Arbeit mehr haben wie Kochen oder Brötchen schmieren.

Wir holen bei unserer Tour auch Reste von kalten und warmen Bufetts ab - aber nur wenn sie in professionellen Küchen hergestellt wurden. Bei Privatleuten haben wir keine Garantie, dass die Ware auch einwandfrei ist. Wenn ich zu so einer Party im Grunewald komme, bin ich manchmal schon überwältigt von dieser üppigen Umgebung. Aber das soziale Gefälle zum Leben der Wohungslosen ist eben so. Die unbeschreiblich teuren Bufetts bekräftigen mich in meinem Engagement. Diese Produkte sind teilweise um die halbe Welt gereist, um in Berlin auf den Teller zu kommen. Da dürfen sie einfach nicht weggeschmissen werden. Richtig süß sind die Mitglieder des Lion Clubs Spree-Berlin. Sie treffen sich einmal im Monat im Hilton und wir holen am späten Abend die Reste vom gemeinsamen Essen ab. Da bleibt immer so viel übrig, dass ich das Gefühl habe, sie essen extra wenig oder bestellen einfach zu viel.

In Berlin muss eigentlich niemand hungern. Es gibt ja auch viele Einrichtungen, die sich um Bedürftige kümmern. Aber die haben kaum Geld, um Nahrungsmittel einzukaufen. Unsere Arbeit hilft da sehr. Wenn wir liefern, können die ihr weniges Geld in wichtige Projekte stecken.

Wenn ich Obdachlosen begegne, bekomme ich schnell ein schlechtes Gewissen, dass es mir so gut geht. Es ist so schön, in die eigene Wohnung zurückzughen und sein Hab und Gut beisammen zu haben. Sie dagegen müssen ständig fürchten, dass ihnen auch noch die letzten Dinge gestohlen werden.

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