Ehrenamtliche in Berlin : Freiwillige sollen Staat nicht ersetzten

Die neu gegründete "Gewerkschaft für Ehrenamt und Freiwillige Arbeit" ruft zum Streik auf.

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Ehrenamtliche der Initiative «Moabit hilft» versorgen Flüchtlinge mit Essen.
Ehrenamtliche der Initiative «Moabit hilft» versorgen Flüchtlinge mit Essen.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Die jetzt neu gegründete Organisation "Gewerkschaft für Ehrenamt und Freiwillige Arbeit" (Gefa) ruft zum Internationalen Tag des Ehrenamts am Montag, 5. Dezember, Freiwillige in ganz Berlin zum "Warnstreik" auf – vor allem ehrenamtliche Mitarbeiter von Einrichtungen, welche die Folgen von Sozialumbau und -abbau in Berlin abfedern. Aktivisten der Gefa kündigten zugleich eine Fahrraddemonstration an, die vom Medibüro, dem Berliner Netzwerk für medizinische Flüchtlingshilfe, im Stadtteil Kreuzberg über mehrere Stationen bis zum Deutschen Theater in Stadtmitte führen soll. Dort wird am Nachmittag der Deutsche Engagementpreis verliehen.

An der Aktion beteiligen sich auch die Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migranten (KUB) sowie das Praxiskollektiv in der Reichenberger Straße in Kreuzberg. Das Medibüro vermittelt anonym und kostenlos medizinische Behandlung unabhängig vom Aufenthaltsstatus und existiert seit 1996 als selbst organisiertes Projekt.

Ehrenamtliche dürften keine sozialstaatliche Lücke füllen

Das Ehrenamt habe Konjunktur, komme gut an und werde durch viele Preise geehrt, heißt es jetzt. Unerwähnt blieben aber die politischen Bedingungen, die das Engagement notwendig machten, kritisierte die Gefa. "Wir streiken, weil wir nicht dafür zuständig sind, sozialstaatliche Lücken zu füllen", hieß es. Die Organisation ist der Meinung, dass alle Menschen in Deutschland, auch Flüchtlinge, ein Anrecht auf soziale Grundversorgung durch den Staat hätten. Dazu gehöre das Recht auf Gesundheitsversorgung, Wohnung, Arbeit, Bildung und kulturelle Teilhabe. Solche Leistungen über ehrenamtliche Arbeit abzudecken, sei eine "brüchige Variable": "Was ist, wenn die Lust zu helfen versiegt?". Eine Versorgung nach menschenrechtlichen Standards durch Freiwillige und Spenden sei "strukturell unmöglich".

Die neu gegründete Gefa geht nach eigenen Angaben auf die Initiative des Medibüros zurück. Die Organisation versteht sich als Vernetzungsplattform für Ehrenamtliche und wendet sich gegen die "Inanspruchnahme des Ehrenamts durch den Staat", wie Sabine Drangsal vom Medibüro sagte. Freiwillige könnten Mitglied werden, "ohne Mitgliedsbeitrag". Die Gefa suche auch Kontakt zu "echten" Gewerkschaften. - Mit Informationen der epd.

Medibüro im Mehringhof, Gneisenaustraße 2A, 10962 Berlin, Telefon: 69 46 746, E-Mail: info@medibuero.de, Internet gefa.online/www.medibuero.de.

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