Ehrenbürgerschaft : Posthume Politik der Berliner CDU

Politik, so soll Otto von Bismarck einst festgestellt haben, ist die Kunst des Möglichen. Dass man auch eine Kunstfertigkeit darin entwickeln kann, mit dem Unmöglichen Politik zu machen, führt jetzt die Berliner CDU vor - mit ihren Ansichten zur Ehrenbürgerschaft.

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Die Berliner CDU fordert, die vor kurzem gestorbene Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley zur Ehrenbürgerin zu machen – wohl wissend, dass diese große Auszeichnung lebenden Menschen vorbehalten ist. Aber das ficht die Union nicht an. Vielleicht, weil es ihr weniger um Bohley und vielmehr um den rot-roten Senat geht? Denn der steht jetzt so da, als ob er sich aus politischen Gründen gegen die Ehrung einer Wegbereiterin der Deutschen Einheit sperren würde. Bei genauerem Hinsehen scheint es die CDU mit ihrem Vorstoß nicht wirklich ernst zu meinen. Gut 20 Jahre lang hätte man die Möglichkeit gehabt, der Bürgerrechtlerin die Auszeichnung anzutragen. Von der CDU kam dazu jedoch zu Bohleys Lebzeiten kein Wort. Dann stirbt sie und 48 Stunden später liegt die Forderung auf dem Tisch. Das erinnert weniger an Bismarcks Politikverständnis und mehr an Fürst Metternichs. Der stellte einst fest: „Die Politik verdirbt den Charakter“.

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