Ehrenbürgerwürde für Biermann : Abgeordnetenhaus gibt grünes Licht

Der Künstler Wolf Biermann soll Berliner Ehrenbürger werden. Mit sehr großer Mehrheit billigte das Abgeordnetenhaus einen Antrag von SPD, CDU, Grünen und FDP. Mit seinen Liedern habe er sich für Demokratie und Bürgerrechte stark gemacht.

Berlin - In dem Antrag bittet das Abgeordnetenhaus den rot-roten Senat, dem 70-jährigen, aus der DDR ausgebürgerten Künstler die Ehrenbürgerwürde Berlins zu verleihen. Die Linkspartei enthielt sich der Stimme. Damit beendeten die Volksvertreter einen wochenlangen Parteienstreit. Der Senat wird am 6. Februar darüber entscheiden. Auch hier gilt die Zustimmung nach dem Umschwenken der SPD als sicher.

In der Begründung des Antrags heißt es: "Wie kaum ein anderer hat sich Wolf Biermann mit seinen Gedichten und Liedern für Demokratie und Bürgerrechte stark gemacht." Gegen seine Ausbürgerung 1976 protestierten viele Künstler in Ost und West. "Dieses Ereignis wird daher auch als Beginn der Oppositionsbewegung gesehen, die das Ende der DDR einleitete und die Einheit Berlins wieder herstellte." Berlin verdanke Biermann eine "Vielzahl von Gedichten, Liedern, Balladen und Schriften, die Nachkriegsgeschichte der Stadt, ihre Wunden, ihren Geist und ihre Ausstrahlung reflektierten."

Terminplanung beginnt

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kündigte an, nach der Entscheidung des Senats bald Kontakt mit Biermann aufzunehmen, um sich über einen Termin für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde zu verständigen. Der Regierungschef und die SPD-Fraktionsspitze hatten die Ehrung Biermanns zunächst abgelehnt, da sie die höchste Auszeichnung des Landes durch den Streit beschädigt sahen. Sie werfen der CDU als Initiator des Antrags vor, nicht schon vor der Veröffentlichung ihres Vorschlags einen breiten politischen Konsens gesucht zu haben. Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde sei so parteipolitisch instrumentalisiert worden, hieß es.

Die Linkspartei kritisiert vor allem Biermanns Unterstützung für den Irak-Krieg. Dennoch respektiere sie die historischen Verdienste des Liedermachers als DDR-Oppositioneller, weshalb sie sich der Stimme enthalten habe, hieß es. (tso/dpa)

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