"Ehrenmord"-Prozess : Plädoyer im Mordfall Sürücü

Im "Ehrenmord"-Prozess hat die Verteidigung für den mutmaßlichen Möder von Hatun Sürücü eine Strafe deutlich unter der Höchststrafe von zehn Jahren beantragt. Der Angeklagte sei bei der Tat verblendet und unreif gewesen.

Berlin - Der damals 18-Jährige habe seine Familie schützen wollen, als er seine Schwester tötete, tatsächlich habe er sie zerstört, sagte Verteidiger Kai Haake am Freitag in seinem Plädoyer vor dem Berliner Landgericht. Der heute 20 Jahre alte Angeklagte bereue die Tat und werde sein gesamtes Leben büßen.

Der junge Mann hatte im Prozess gestanden, seine 23-jährige Schwester und Mutter eines kleinen Jungen im Februar 2005 erschossen zu haben. Die Anklage geht in dem seit September dauernden Prozess von Mord zur Rettung der Familienehre aus: den Angehörigen habe der westliche Lebenswandel der Frau, die das traditionelle Kopftuch abgelegt hatte, nicht gepasst. Der jüngste Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft neun Jahre und acht Monate Jugendstrafe erhalten.

Nach Überzeugung des Staatsanwalts waren zwei Brüder in die «Hinrichtung» verstrickt. Für die Mitangeklagten im Alter von 25 und 26 Jahren hatte die Anklage lebenslange Haft gefordert. Die Verteidiger verlangten Freisprüche. (tso/dpa)

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