Ehrenmorde : Seyran Ates hat wieder Kraft

Seyran Ates: Die Anwältin und Frauenrechtlerin, die wegen Drohungen ihren Job aufgegeben hatte, will sich weiter besonders für Musliminnen einsetzen.

Jasmin Kalarickal
Ates
Die deutsch-türkische Frauenrechtlerin Seyran Ates nimmt ihre Arbeit als Anwältin in Berlin wieder auf. -Foto: dpa

BerlinSie ist wieder da, zurück in ihrem „Traumberuf“, wie sie sagt, und sie fühlt sich wohl dabei. „Es ist ein gutes Gefühl“, sagte Seyran Ates am Donnerstag lächelnd und mit einem Blumenstrauß in der Hand, nachdem sie ihre Zulassung als Anwältin wiedererhalten hat. Vor einem Jahr hatte die engagierte Frauenrechtlerin ihre Zulassung zurückgegeben, als Grund nannte sie die zunehmenden Bedrohungen durch muslimische Männer. Der Druck war ihr zu groß geworden. Ihr Engagement für die Rechte muslimischer Frauen hatte die 44-Jährige bundesweit bekannt gemacht. Vor Gericht stritt sie gegen Zwangsehen, sogenannte „Ehrenmorde“ und häusliche Gewalt. Drohungen von Ehemännern oder Familienangehörigen ihrer Mandantinnen gehörten zum Alltag: 1984 überlebte Seyran Ates schwer verletzt ein Attentat. Ihr Ausstieg im Sommer vergangenen Jahres war von Politikern und liberalen Muslimen mit Bedauern zur Kenntnis genommen worden.

Die Pause hat Ates offenbar gutgetan. Von der Spur Resignation, die ihren Rückzug begleitet hatte, war am Donnerstag nichts mehr zu spüren – im Gegenteil. „Meine Stimme werden Sie in Zukunft hören“, kündigte sie an. Ihren Themen wolle sie auch in Zukunft treu bleiben. „Da, wo Frauen und Kinder schlecht behandelt werden, gucke ich hin“, sagte die in Istanbul geborene und in Berlin aufgewachsene Ates. Dass sie wieder als Anwältin arbeite, wolle sie auch als positives Signal für andere bedrohte Frauen verstanden wissen. Es lohne sich zu kämpfen. Sie forderte, dass sich der Rechtsstaat für bedrohte Frauen und deren Helfer einsetzen müsse. Ates kündigte an, keine Fälle mehr mit einer „vorhersehbaren Bedrohungssituation“ übernehmen zu wollen. Ihre Mandantinnen werde sie im Verborgenen betreuen, eine offizielle Anschrift oder ein Kanzleischild mit ihrem Namen werde es nicht geben. Personenschutz rund um die Uhr lehnt sie ab, stattdessen vertraut Ates auf den Rechtsstaat und eine offene Gesellschaft, die sich ihrer Themen annimmt: „Die öffentliche Debatte schützt mich.“ 

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