Ehrensache : „Bei uns helfen sich Alte selbst“

Adrienne Pickert aus Charlottenburg ist 93 - und unterstützt andere Senioren durch ihren Einsatz beim Sozialwerk Berlin.

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Seit 25 Jahren engagiert. Adrienne Pickert im Sozialwerk Berlin.
Seit 25 Jahren engagiert. Adrienne Pickert im Sozialwerk Berlin.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

WAS ICH MACHE

Ich engagiere mich seit 25 Jahren ehrenamtlich im Sozialwerk Berlin in Grunewald, einem Altenselbsthilfe- und Beratungszentrum. Ich sitze montags an der Rezeption, mache Hausbesuche bei älteren Mitgliedern, und in Pflegeheimen richten wir Weihnachts- und Sommerfeste aus. Privat komme ich zum Bridge-Spielen, außerdem besuche ich den Yogakurs. Als ich hier anfing, war ich 69 Jahre alt, inzwischen bin ich mit 93 die älteste Mitarbeiterin. Jeden Monat gibt es eine große Geburtstagsfeier für die Mitglieder, die im Monat zuvor Geburtstag hatten. Wenn einer hundert wird, sind die Kinder oft schon tot, der Senat hat ein Blümchen abgegeben, aber bei uns ist oft die einzige Feier, die das Geburtstagskind bekommt.

Ich habe Glück: Meine ganze Familie wohnt in Berlin in meiner Nähe. Ich bin in Tempelhof geboren und habe vier Söhne, fünf Enkelkinder und zwei Urenkel. Als ich als Filialleiterin eines Lebensmittelgeschäfts pensioniert wurde, habe ich mir einige Begegnungsstätten für Senioren angesehen, bin aber rückwärts wieder rausgegangen. Mir hat dort die Wärme gefehlt. Dann habe ich auf einem Klassentreffen des Tempelhofer Luisengymnasiums vom Sozialwerk gehört. Das Haus ist sehr gepflegt und hat mir sofort gut gefallen.

Anfangs habe ich mitgeholfen, eine ambulante Rehabilitation für alte Menschen aufzubauen, die aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Damals gab es solche Einrichtungen ja nicht, heute sind das die Pflegestützpunkte in Berlin. Meine erste Patientin war eine 88-jährige Frau, die seit acht Jahren im Rollstuhl saß und ihr Haus nicht mehr verlassen konnte. Ich half ihr, eine rollstuhlgerechte Wohnung zu finden, wo sie noch sieben Jahre lebte. Das ist das Dankeschön für mein Engagement: dass Menschen noch ein Stück Leben bekommen. In erster Linie aber mache ich mein Ehrenamt für mich selbst. Ich liege oft abends im Bett und denke mir, was für ein toller Tag das war.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Alte Menschen sollten selbst mehr Kontakt suchen. Die meisten fühlen sich verlassen, sind aber oft auch selbst schuld daran. Dabei erhellt besonders der Kontakt zur Jugend die alten Menschen, er gibt ihnen Kraft. Ich melde mich auch bei meinen Enkeln und Urenkeln. Um den Menschen weiterhin Kontakte zu anderen Senioren zu ermöglichen, suchen wir immer Ehrenamtliche.

Sozialwerk Berlin e.V., Humboldtstraße 12 in Grunewald, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Telefon: 891 10 51,

www.sozialwerk-berlin.de

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