Ehrensache : „Niemand soll alleine alt werden“

Margret Gunhold, 65, betreut ehrenamtlich eine ältere Dame in einer Lankwitzer Pflegeeinrichtung und ist seit 25 Jahren im Besuchsdienst aktiv.

Elisa Kremerskothen
Kontaktfreudig. Margret Gunhold, 65, besucht pflegebedürftige ältere Menschen in Lankwitz.
Kontaktfreudig. Margret Gunhold, 65, besucht pflegebedürftige ältere Menschen in Lankwitz.Foto: Mike Wolff

WAS ICH MACHE

Ich bin durch einen Aufruf des Roten Kreuzes auf den Besuchsdienst aufmerksam geworden. Neu in Berlin, habe ich mich damals noch nicht zu Hause gefühlt und wollte etwas Sinnvolles tun. Ich habe eine soziale Ader, kann gut mit Menschen umgehen und war nicht berufstätig, also dachte ich, ich versuche es einfach mal. Jetzt engagiere ich mich schon seit 25 Jahren und betreue die 13. Bewohnerin des Vivantes-Pflegeheimes Haus Leonore in Lankwitz. Dort leben 220 Menschen im Alter von 50 bis 107 Jahren. Manche begleite ich nur ein halbes Jahr, andere sechs Jahre. Ich bin für die meisten die einzige Bezugsperson, mein Besuch ist für sie der Lichtblick der Woche. Die Besuche gehören zu meinem Leben. Ich müsste schon selber sehr krank sein, damit ich ein Treffen absagen würde. Ein Mal pro Woche treffe ich Brigitte, sie ist 73. Wenn sie sich gut fühlt, gehen wir im Park spazieren oder Kaffee trinken. Und wenn sie sich nicht so gut fühlt oder schlechtes Wetter ist, bleiben wir eben auf ihrem Zimmer und reden einfach nur. Die alten Menschen können so spannende Geschichten erzählen, was die alles erlebt haben! Ich begleite meine Damen, bis sie sterben. Auch am Totenbett besuche ich sie noch mal, da habe ich keine Berührungsängste. Ich glaube, so ein letzter Besuch ist auch sinnvoll, um sich zu verabschieden und einen Schlussstrich zu ziehen. Selbst zur Beerdigung gehe ich: Einmal war ich ganz alleine mit dem Friedhofswärter und der Urne. Irgendwie ziemlich traurig, aber genau deswegen mache ich das. Ich möchte nicht, dass jemand alleine alt werden und sogar alleine sterben muss.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Ich wünsche mir, dass sich mehr junge Menschen engagieren. Unser Team besteht größtenteils aus 60- bis 80-Jährigen. Irgendwann werden wir selber zu alt für die Besuche, also brauchen wir Nachwuchs. Besuchsdienste gibt es in vielen Pflegeeinrichtungen der Stadt!
Aufgezeichnet von Elisa Kremerskothen

- Am 21. November um 14 Uhr treffen sich Betreuer im Haus Leonore, Leonorenstr. 17. Interessierte sind willkommen.

Kontakt: Dreifaltigkeits-Gemeinde Lankwitz, Tel. 774 92 86.

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