Ehrensache-Porträt : „Ich habe sein Leben gerettet“

"Das Treffen mit jemandem, dem man das Leben gerettet hat, ist wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen", weiß der Berliner Stammzellenspender Ingo Orth. Er will Vorbild sein.

Elisa Kremerskothen
Wie Brüder. Henri Schüler, 49, aus Leipzig (links) hat dank einer Stammzellenspende des Berliner Fahrzeughandwerkers Ingo Orth, 42, überlebt.
Wie Brüder. Henri Schüler, 49, aus Leipzig (links) hat dank einer Stammzellenspende des Berliner Fahrzeughandwerkers Ingo Orth,...Foto: Kai-Uwe Heinrich

WAS ICH MACHE

Ich gehe fünf Mal im Jahr Blut spenden – öfter ist nicht möglich. Dabei wurde ich gefragt, ob ich mich auch für eine Stammzellenspende typisieren lasse; rund 8000 Gewebemerkmale von Spender und Empfänger müssen übereinstimmen. Zwei Monate später erfuhr ich vom Deutschen Roten Kreuz, es gebe einen möglichen Empfänger mit Leukämie. Wenn ich helfen kann und womöglich ein Leben rette, mache ich das natürlich gerne. Es folgten mehrere Gesundheits-Checks. Vier Tage lang musste ich mir ein Wachstumshormon spritzen, das Stammzellen vermehrt und aus dem Knochenmark ins Blut schwemmt. Am Tag der Spende konnte ich liegend bequem dabei zuschauen, wie ein Gerät sie aus meinem Blut filterte. Wehgetan hat das überhaupt nicht. Später bekam ich einen anonymen Brief vom Empfänger, er hat die Spende gut aufgenommen. Treffen durften wir uns noch nicht, zwei Jahre müssen Spender und Empfänger anonym bleiben. Danach hat Henri, der Empfänger, bei mir angerufen. Als wir uns endlich trafen, waren wir überwältigt. Das Treffen mit jemandem, dem man das Leben gerettet hat, ist wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Henri und ich haben nur Schwestern – jetzt haben wir noch einen Bruder dazugewonnen. Ich finde es wichtig, sich zu engagieren, schließlich könnte ich selber mal Blut, Organe oder Stammzellen benötigen.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Es sollten mehr Leute bereit sein, zu spenden. Es gibt so viele leukämiekranke Menschen und Kinder, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. ekr

Weitere Infos unter: www.dkms.de,

www.stammzellspenderdatei.de

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