Ehrensache-Porträt Ulrich Wickert : „Wer weiß in unserer recht heilen Welt, dass in manchen Ländern Kinder als Sklaven verkauft werden?“

11.10.2012 00:00 Uhr
LICHT UND SCHATTEN.  Journalist, Buchautor und Stifter Ulrich Wickert besucht am 1.UN-Weltmädchentag Berlin. Foto: Sven Paustian/Agentur Focus
LICHT UND SCHATTEN. Journalist, Buchautor und Stifter Ulrich Wickert besucht am 1.UN-Weltmädchentag Berlin. - Foto: Sven Paustian/Agentur Focus

Er unterstützt das Kinderhilfwerk Plan, hat eine eigene Stiftung - und kämpft gegen Kindersklaverei. Die gibt es immer noch.

WAS ICH MACHE

Ich engagiere mich auf vielfältige Weise für die Rechte von Kindern. So habe ich vergangenes Jahr die Ulrich-Wickert-Stiftung unter dem Dach der „Stiftung Hilfe mit Plan“ gegründet. Mit ihr unterstütze ich Medienprojekte für Mädchen und Jungen in Entwicklungsländern und vergebe am heutigen Donnerstag – dem ersten UN-Mädchentag – in Berlin einen Journalistenpreis für Kinderrechte. Die eingereichten Artikel haben mich sehr erschüttert. Was etwa unsere Preisträgerin Carolin Emcke schreibt, ist so bedrückend, dass es jeden emotional berühren muss. Sie schildert in ihrer Reportage für das „Zeit-Magazin“ die Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt an Mädchen in einem Dorf in Kenia.

Die vierjährige Grace war von einem Nachbarn vergewaltigt worden. Gerade durch diese Art von Artikeln werden wir aufgerüttelt. Wer weiß schon in unserer recht heilen Welt, dass in manchen Ländern wie beispielweise Nepal Kinder unter zehn Jahren für wenige Euro als Sklaven verkauft werden? Das hielten wir doch spätestens seit der Erklärung der Menschenrechte für abgeschafft. Doch die Kinder müssen oft bis zu 16 Stunden am Tag schuften, werden gedemütigt, geschlagen, missbraucht.

Die Arbeit von Plan unterstütze ich bereits seit 1995 und bin ehrenamtliches Mitglied des Kuratoriums der deutschen Organisation. Das Kinderhilfswerk finanziert Selbsthilfeprojekte in 50 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Plan wurde 1937 von dem britischen Korrespondenten John Langdon-Davies gegründet. Er hat gezeigt, was ein Journalist für unser gemeinsames Ziel bewirken kann. Journalisten, die für Kinderrechte eintreten, nehmen ihren Auftrag für die Meinungsbildung ernst und zeigen Zivilcourage.

Zu Plan gelangte ich über die Empfehlung einer Freundin. Plan überzeugt mich wegen des Programms: Zwar hat man eine Patenschaft, aber das Geld geht in die Dorfgemeinschaft, in der das Kind lebt. So wird dort allen geholfen und nicht nur einer einzelnen Person. Plan hat einige ganz spezielle Programme, die mich überzeugen, darunter die Förderung der Ausbildung von Mädchen. Wichtig ist mir auch, dass Plan eine „gläserne“ Organisation ist, also ihre Ausgaben jährlich offenlegt und überprüfen lässt. Es gehen weniger als 18 Prozent der Spenden in die Verwaltung.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

In meinem neuen Buch „Neugier und Übermut“ erzähle ich von Menschen, die ich traf. Unerschrockene Menschen können mit ihren Taten vieles verändern, und ich wünsche mir noch viel mehr davon. So ist es ein großer Erfolg von Plan International, den Welt-Mädchentag in der Uno durchgesetzt zu haben, auch dank der Kampagne „Because I am a Girl“. Dazu gibt es am heutigen 11. Oktober, dem Premieretag, von 11.45 bis 14 Uhr im Sony-Center am Potsdamer Platz viele Aktionen zum Mitmachen. Wissen leitet das Denken. Und Denken führt zum Handeln. kög

Infos und Kontakt übers Internet:

www.plan-deutschland.de,

www.ulrich-wickert-stiftung.de

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