EHRENSACHE : „Sir Edmund Hillary ist beim Helfen mein Vorbild“

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BERGBURSCHE. Hans Kammerlander, 55, als sechstes Kind einer Bergbauernfamilie in Ahornach in den Südtiroler Bergen geboren. Der Bergführer bestieg mit Reinhold Messner sieben der vierzehn Achttausender, sechs weitere kamen dazu; vom Mount Everest und vom Nanga Parbat fuhr er mit Skiern ab. In Berlin berichtet er auch von seinem sozialen Engagement.
BERGBURSCHE. Hans Kammerlander, 55, als sechstes Kind einer Bergbauernfamilie in Ahornach in den Südtiroler Bergen geboren. Der...Foto: promo

WAS ICH MACHE

Jedenfalls mache ich nicht mehr den Wettlauf von uns Extrembergsteigern mit, wer der Erste auf den höchsten Bergen der Welt ist, dieses Schulterklopfen brauche ich nicht mehr. In Berlin möchte ich am Sonnabend im Konzertsaal der Universität der Künste die Gäste in meinem Vortrag mitnehmen auf sieben zweithöchste Berge der Welt, die sind manchmal viel schwerer zu besteigen als die höchsten Gipfel. Ich erzähle zum Beispiel von den faszinierenden Farben der Wüste, die ich beim Besteigen des zweithöchsten Berges Chiles erleben durfte, von meiner Tour durch den Dschungel Nordpapuas, von der überwältigenden Natur Russlands, Afrikas und der Antarktis. Und ich werde auch den Verein vorstellen, für den ich mich engagiere, die Nepalhilfe Beilngries.

Wissen Sie, ich habe bei all meinen Expeditionen und Bergtouren in Nepal so viel ehrliche herzliche Zuwendung und Hilfsbereitschaft erlebt, dass ich mich auf diese Weise bei den Menschen bedanken möchte. Mein Vorbild ist Sir Edmund Hillary, der sich nach seiner Erstbesteigung des Mount Everest bis zum Lebensende für die Menschen dort eingesetzt hat. Der Neuseeländer Hillary hat immer betont, dass er ohne die Sherpas nie zu der Leistung fähig gewesen wäre. Unseren Verein trägt eine kleine Gruppe Deutscher, Österreicher und Südtiroler, die gemeinsam mit Einheimischen dort hilft, wo sie das Gefühl hat, da ist Hilfe angebracht. Wir haben schon Kinderheime aufgebaut und insgesamt 17 Schulen. Bei den Schulen sehen wir es während der ersten zwei Jahre als unsere Aufgabe, sie auszustatten und die Lehrerstellen zu finanzieren, danach übernimmt das der Staat, und das funktioniert gut.

Damit alle in Nepal das Projekt auch persönlich mittragen, kam die Idee von unseren lokalen Leuten, dass die Mitarbeiter wie Bauarbeiter zwei Tage bezahlt werden und den dritten als kostenlosen Einsatz aufbringen. Um unsere Projekte zu fördern, verkaufen wir jetzt den Himalaya-Kalender 2013, da habe ich auch Fotos beigesteuert. Von den 15 Euro gehen 13 in die Nepal-Hilfe für die Kinder. Ein wenig Geld müssen wir ja für Produktion und Versand zurückhalten.


WAS ICH MIR WÜNSCHE

Ich arbeite mit anderen Leuten seit Jahren zusammen mit dem Deutschen Alpenverein und wir haben Routentipps für Skitouren zusammengestellt. Es gehen immer mehr Touristen auch aus Großstädten abseits der Pisten in die Berge. Und da würde ich mir wünschen, dass sie sich an die Routenempfehlungen halten, damit der Natur wenigstens einige unberührte Räume bleiben und nichts womöglich komplett abgesperrt wird. Ich bin kein Typ, der gern Verbotstafeln aufstellt, ich hoffe eher, dass die Menschen die Bitte ernst nehmen – und Bergrowdys nicht mit Skiern über jedes Gebüsch unterm Schnee fetzen.

- Hans Kammerlander: „Seven Second Summits“, Vortrag organisiert von der Leipziger „Reisefibel“, am 1. Dezember um 20 Uhr im Konzertsaal der Universität der Künste, Hardenbergstr. 33 in Charlottenburg. Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen: 19,95 Euro, 23,45 und 26,45 Euro plus Vorverkaufsgebühr. Den Benefiz-Kalender kann man bestellen über www.nepalhilfe.org/de/kalenderverkauf

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