Ehrensache : „Wir Griechen unterstützen andere. Jetzt brauchen wir selber Hilfe.“

Kostas Papanastasiou setzt sich in der hellenischen Gemeinde für griechische Landsleute ein.

MIT LEIB UND SEELE. Kostas Papanastasiou, 76, ist Schauspieler, Gastronom und Sänger. Er war einer der ersten Studenten, die in den 50er Jahren nach Berlin emigrierten.
MIT LEIB UND SEELE. Kostas Papanastasiou, 76, ist Schauspieler, Gastronom und Sänger. Er war einer der ersten Studenten, die in...Foto: Georg Moritz

WAS ICH MACHE:

Ich bin 1956 als Student nach Berlin gekommen. Als 1960 die ersten griechischen Gastarbeiter, einfache Leute vom Land, kamen, fehlte es an einer Empfangsbasis– wir Studenten halfen. 1963 gründeten wir die „Gemeinschaft der Griechen in Berlin“. Wir haben die Neuankömmlinge zu Ämtern begleitet. Ich habe sogar für Mädchen beim Frauenarzt übersetzt. Obwohl die Integration der Griechen in Deutschland sehr weit fortgeschritten ist, leisten wir heute wieder echte Integrationsarbeit: Wir bieten den vielen Neuankömmlingen, die das Land auch wegen der wirtschaftlichen Situation verlassen, eine Orientierungshilfe. Die Leute nehmen bereits dort mit uns Kontakt auf und viele haben ihre ersten Nächte in Deutschland bei mir zu Hause verbracht. Ein Patriot bin ich nicht. Ich bin überzeugter Europäer und würde auch Portugiesen helfen, aber ich kann kein Portugiesisch.

WAS ICH MIR WÜNSCHE:

Seit 1990 unterstützte uns der Senat und wir haben das Kulturzentrum in Steglitz aufgebaut, das heute vierzehn Vereine beherbergt, die eigenständig alle nicht überleben können. Diese Förderung, die etwa zwei Drittel unseres Etats ausmacht, endet nun ohne Vorankündigung, weil wir mehrfach gegen das Nichtraucherschutzgesetz verstoßen haben sollen. Jedoch wurde bei uns – bis auf Ausreißer, die es doch überall gibt – nicht geraucht. Und wenn es Kritik am bereits abgewählten Vorstand gab – ein einziger in 50 Jahren – ist das auch kein Grund, der griechischen Gemeinde den Teppich unter den Füßen wegzuziehen. Die erste Auslandsreise von Theodor Heuss als Bundespräsident ging nach Athen, die meisten ausländischen Ärzte hier sind Griechen. Ich wünsche mir, dass die finanzielle Hilfe fortbesteht und wir mit der Integrationsbeauftragten reden können. Ich werde mich auch an den Bundespräsidenten wenden, weil er mir sonst das Bundesverdienstkreuz, eine riesige Ehre, umsonst geschenkt hat. tah

Hellenische Gemeinde zu Berlin e.V.,

Mittelstr. 33, 12167 Berlin, Tel: 792 95 87,797 45 799; www.gr-gemeinde.de

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