Ehrung : Bundesverdienstkreuz für einen Schulpionier

Horst Seidel hat die Berliner Ganztagsschule erfunden. Jetzt wurde der erfolgreiche Schulgründer mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

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Visionär. 2100 Schüler besuchen heute die Schulen, die Seidel gegründet hat.
Visionär. 2100 Schüler besuchen heute die Schulen, die Seidel gegründet hat.Foto: privat

Englisch ab Klasse 1, Ganztagsbetreuung und jeden Tag Sport – im Jahre 1967 musste man sich schon Einiges einfallen lassen, um vom damaligen SPD-geführten Senat die Erlaubnis zur Gründung einer freien Grundschule zu bekommen. Horst Seidel wusste das, richtete sich danach und wurde der wohl erfolgreichste Schulunternehmer der Stadt. Nur seinen Namen – den kennt kaum jemand.

Was wohl daran liegt, dass seine Schulen nicht nach ihm, sondern nach Immanuel Kant benannt wurden. „Private Kant- Schule“ wurde in den vergangenen 50 Jahren so etwas wie das Synonym für freie Schulen, die nicht konfessionell sind. So heißt schon die Oberschule, die Seidel 1959 in Steglitz gegründet hatte und so hieß sein Internat in Genf (1962-65). So heißt das Gymnasium, das 1963 in Frankfurt am Main den Betrieb aufnahm, ebenso wie die Kindergärten und auch die auf Berufsbildung ausgerichtete Akademie. Und eben die Grundschule seit 1967.

Als die Bundesregierung nach Berlin umzog und Diplomaten auf dem Fuße folgten, war es denn auch Horst Seidel, bei dem das Telefon klingelte: Ob er denn nicht schnell eine Internationale Schule auf die Beine stellen könne, wollte die Senatskanzlei wissen. Nach sechs Monaten öffnete die „Berlin International School“ ihre Pforten. Erst an der Steglitzer Körnerstraße in den Räumen der Kant-Oberschule, später dann auch auf dem repräsentativen „Campus Dahlem“ in der Lentzeallee. Zum Umzug schickte Bundeskanzler Gerhard Schröder ein Grußwort.

Angefangen hat alles mit dem „Berliner Schularbeitszirkel“, einem von Seidel gegründeten Institut, das von 1957 bis 1972 in rund 20 Filialen von Neukölln bis Spandau Kindern half, die Hausaufgaben zu erledigen. In dieser Zeit hatte der gelernte Pädagoge und Physiker Seidel erkannt, woran es den Familien fehlte: an Ganztagsangeboten. In diese Lücke stieß der Schularbeitszirkel, später dann jede der Schulen, die Seidel mit seiner Frau gründete.

Auch der jetzige Senat weiß, was er an Seidel hat. Weshalb Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) dem „umtriebigen Visionär“, Gründer des Berliner Privatschulverbandes, vierfachen Vater und sechsfachen Großvater am Mittwoch zu dessen 80. Geburtstag das Bundesverdienstkreuz am Bande an die Brust heftete. sve

Die spannende Geschichte des gebürtigen Pankowers zwischen Ost und West und die Geschichte seiner Schulen und engsten Mitarbeiter kann man nachlesen in Marlene Müller-Rytlewskis opulenten Band „Bildungswege“. Berlin Story Verlag, 2009, 29,80 Euro.

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