Eichenprozessionsspinner : Öko-Spritze gegen Giftraupen

Seine Härchen lösen beim Menschen Allergien aus, und er verbreitet sich rasant: Jetzt will auch Berlin dem Eichenprozessionsspinner zu Leibe rücken

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Haarig. Im üblen Fall können die Raupenhärchen auch durch die Lüftung ins Auto kommen – etwa ins Auge des Fahrers. Foto: dpa/ZB
Haarig. Im üblen Fall können die Raupenhärchen auch durch die Lüftung ins Auto kommen – etwa ins Auge des Fahrers. Foto: dpa/ZBFoto: ZB

Während Brandenburg mit dem Bund um das richtige Vorgehen streitet, hat das Land Berlin am Mittwoch seine Strategie vorgestellt, dem Eichenprozessionsspinner zu Leibe zu rücken: Die Raupen sollen mit einem Biozid abgetötet werden.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein kleiner grauer Falter, dessen Larven giftige Härchen ausbilden, die dann umherfliegen. Viele Menschen reagieren allergisch darauf, im schlimmsten Fall mit einem anaphylaktischen Schock, im Normalfall mit juckender Haut, die sich entzündet, und mit roten Quaddeln oder Knötchen.

In den vergangenen Jahren haben sich die Tiere rasant ausgebreitet; in Brandenburg sind rund 9000 Hektar Eichenwald flächendeckend befallen, zu erkennen an leer gefressenen Eichen. In Berlin sind rund 10 000 „Landes“-Eichen befallen, nicht eingerechnet Bäume auf Grundstücken anderer Eigentümer. Das Land hat insgesamt rund eine Million Eichen, davon 40 000 als Straßenbäume. Besonders stark ist Steglitz-Zehlendorf betroffen, etwa an der Argentinischen Allee und am Waldfriedhof in Dahlem. Ein weiterer Schwerpunkt ist Charlottenburg-Wilmersdorf mit den Gegenden Eichkamp und Teufelsberg.

Berlin sieht jetzt dringenden Handlungsbedarf. „Ärzte meldeten vergangenes Jahr zunehmend Allergiefälle“, sagte Wolfgang Klein von der Senatsgesundheitsverwaltung am Mittwoch bei der Vorstellung der Strategie. „Wir können die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners im besten Fall leicht zurückdrängen“, so Klein. Jedenfalls werde man neben dem Einsatz von Chemie auch weiter mechanisch arbeiten müssen – das heißt, die Nester müssen von den Bäumen gekratzt werden.

Es gibt zwei Wege, dem Problem zu Leibe zu rücken. In Berlin steht der Gesundheitsschutz des Menschen im Vordergrund, da der Befall noch nicht so stark ist. Deswegen hat man das Biozid gewählt, das außerdem genehmigungsfrei anwendbar ist. Es heißt Margosa-Extrakt und wird aus den Samen des in den Tropen und Subtropen wachsenden Neembaums gewonnen; es schädigt keine Bienen und soll weitgehend umweltverträglich sein. Die Bezirksämter wollen in der Zeit von Mitte April bis Mitte Mai überall dort, wo befallene Eichen stehen und sich häufig Menschen aufhalten, etwa bei Schulen, Kitas, Bushaltestellen, das Biozid versprühen. Das muss im sogenannten dritten Larvenstadium und bei trockenem, windstillem Wetter passieren.

Brandenburg geht einen anderen Weg; es hat auch eine viel größere Dimension von Schädlingsbefall. Das Land will das Mittel Dipel ES aus der Luft versprühen, wofür es jetzt vom Bund eine Notfallzulassung erhalten hat. Regulär gäbe es dafür keine Zulassung. Die aus Brandenburg stammende Katherina Reiche (CDU), parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, kritisierte den Brandenburger Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Mittwoch heftig. Er habe nicht den informiertesten Eindruck gemacht und die Wirkungen des Mittels Dipel ES verharmlost, so Reiche. Das Ministerium in Brandenburg habe sich auf dieses Mittel versteift und andere nicht genügend geprüft. Das Ministerium wies das zurück: Alle Fachleute sähen Dipel ES als das Mittel mit der geringsten Umweltwirkung.

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